Inhalt
Die Zweite EFAA-Konferenz fand am 19.1.2010 in Brüssel statt. Sie befasste sich in einem ausgeweiteten Sinne mit dem Zugang kleiner und mittlerer Unternehmen zu Finanzmitteln, entsprechenden Rechnungslegungsfragen und der Rolle des steuerlichen Beraters in diesem Zusammenhang (Access to finance and Financial reporting - The role of the accountant). Dieses Mal war es DStV-Hauptgeschäftsführer Prof. Dr. Axel Pestke, der als einer der Vortragenden die deutsche Sichtweise beschrieb.
Wissenschaftliche Ergebnisse
In einer ersten Vortrags- und Diskussionsrunde wurden von verschiedenen Rednern die Ergebnisse aktueller empirischer Erhebungen über die Finanzierung von KMU vorgestellt, wobei es sich teilweise um nationale, teilweise aber auch um europaweite und globale Erhebungen handelte. So berichtete ein Vertreter des IFAC-Committees für kleine und mittlere Praxen, Herr Florin Toma aus Rumänien, über eine Umfrage, die das IFAC kürzlich durchgeführt hat (vgl. The Banker, Ausgabe Oktober 2009, S. 138 - 143). In ihr wurden weltweit 500 Banken danach befragt, wie sie die Finanzierung von KMU vor den Hintergrund der Finanzkrise sehen. Ergebnis war, dass weniger Kredite vergeben werden, als in der Vergangenheit, und dass die Gewährung von Krediten an strengere Vorraussetzungen geknüpft wird. Spürbar sei, dass die Qualität der Finanzdaten eine immer größere Rolle spiele und damit auch die Rolle des steuerlichen Beraters. Das IFAC unterstütze zwar das Projekt von speziellen internationalen Rechnungslegungsstandards für KMU (IFRS for SMEs), müsse aber einräumen, dass heute bei der Kreditvergabe durch Banken die nationale Rechnungslegung noch eindeutig im Vordergrund stehe.
Herr Vesa Vanhanen von der Generaldirektion Unternehmen/Finanzierung der Europäischen Kommission berichtete sodann über eine eigene Studie, die die Europäische Kommission in Zusammenarbeit mit der Europäischen Zentralbank und den Zentralbanken der EU-Mitgliedsstaaten bei KMU durchgeführt hat. Insgesamt seien 9.071 Firmen in 27 Mitgliedsstaaten befragt worden. Dabei hätten durchschnittlich 16% der befragten Unternehmen den Zugang zu Finanzmitteln als das gegenwärtig dringendste Problem ihres Unternehmensumfeldes bezeichnet (in Deutschland 13%, in Spanien 23%, in Frankreich 19%, in Großbritannien 15%). Als noch dringender (29%) sei europaweit nur das Finden von Kunden eingestuft worden. 46% der KMU hätten angegeben, es sei in den letzen 6 Monaten schwieriger geworden, Kredite zu erhalten - es werde mehr Eigenkapital verlangt. 64% der Unternehmen hätten angegeben, Bankkredite gegenüber anderen Finanzierungsmethoden zu bevorzugen.
Prof. Robin Jarvis, für EFFA Mitglied im EFRAG, stellte die Ergebnisse einer von der englischen Berufsorganisation ACCA im August 2009 durchgeführten Befragung vor. Diese habe sich an 730 Firmen in 91 Ländern gerichtet und habe ergeben, dass KMU weltweit Investitionen zurückstellen, um Liquidität zu bewahren. Die meisten dieser Unternehmen glauben, dass sich die Finanzierung mit der Zeit immer schwieriger gestalten wird. Die Studie habe auch ergeben, dass Rat in finanziellen Angelegenheiten heute weltweit vornehmlich von Kreditinstituten gegeben wird, doppelt so oft wie von steuerlichen Beratern. Dies, obwohl die meisten Unternehmen angeben, den Rat ihres steuerlichen Beraters zu bevorzugen.
Frau Vicky Cole von der Freien Universität Brüssel stellte eine Studie vor, mit der die Nutzung veröffentlichter Jahresabschlüsse in Belgien untersucht wurde. Dort werden Jahresabschlüsse von der Nationalbank im Internet veröffentlicht. Frau Cole verwies darauf, dass täglich ca. 9.000 Jahresabschlüsse heruntergeladen werden und zog hieraus den Schluss, dass eine Einschränkung der Veröffentlichungspflicht, etwa bei kleinen oder kleinsten Unternehmen, der Transparenz nicht nur in Bezug auf einzelne Unternehmen, sondern auch in Bezug auf die Wirtschaft insgesamt abträglich wäre. Die Befragung habe außerdem ergeben, dass die Nutzer an einer internationalen Vergleichbarkeit überwiegend nicht interessiert sind.
In der anschließenden Diskussion, die von EFAA-Generalsekretär Frederico Diomeda geleitet wurde, stellte der deutsche Kollege StB/WP Dr. Jürgen Maiß, der den DStV in der EFAA-Arbeitsgruppe „Accounting“ vertritt, klar, dass aus deutscher Sicht eine Lösung darin bestehen könnte, dass Mikro-Unternehmen zwar Jahresabschlüsse fertigen, aber nur bestimmte Bilanzpositionen veröffentlichen. Er verwies darauf, dass die Geldgeber in aller Regel über derartige Daten ohnehin verfügen, ohne dass es einer Veröffentlichung bedarf. Demgegenüber machte Herr Luc Hendrickx, Vertreter der Europäischen Vereinigung von KMU (UEAPME), allerdings klar, dass die Mehrheit der in dieser Organisation vertretenen Organisationen politische Bestrebungen, wie sie gegenwärtig im Europaparlament verfolgt werden, Mikro-Unternehmen aus der Veröffentlichungspflicht herauszunehmen, ablehnt.
Praxisberichte
Eine zweite Vortrags- und Diskussionsrunde befasste sich mit der Rolle der steuerlichen Berater, wenn es darum geht, KMU den Zugang zu Finanzmitteln zu ebnen. Herr Luc Hendrickx verwies auf die wichtige Rolle des Beraters in diesem Themenfeld. Seine Organisation, die 83 Mitgliedsorganisationen aus 33 Ländern repräsentiert, sei der Auffassung, dass sich die steuerlichen Berater verstärkt auf dem Gebiet der Finanzierungsberatung engagieren sollten. Dabei gehe es nicht nur um Fragen der Rechnungslegung, sondern z.B. auch darum, dass viele KMU ihr Forderungsmanagement vernachlässigen.
Als Vertreter einer niederländischen Rating- Agentur, die sog. Shadow-Ratings anbietet, über die von den KMU und ihren Beratern mit den Kreditinstituten gesprochen werden kann, sprach sodann Herr Fritz Witt zu den Zuhörern. Sein Unternehmen, ein Spin-Off der DATEV, bietet in den Niederlanden Ratings und Ratingberichte an, wenn ihm über das Internet bestimmt Finanzdaten mitgeteilt werden. Insgesamt seien außer den reinen Finanzdaten ca. 500 Fragen über das Unternehmen zu beantworten. Das KMU erhalte dann eine Auswertung, in der auf Stärken und Schwächen des Unternehmens eingegangen wird. In diesem Zusammenhang betonte Witt die Bedeutung der einheitlichen elektronischen Rechnungslegungssprache XBRL (Extensible Business Reporting Language).
Herr Hans Orre, Berufsträger aus Schweden, stellte sodann eine Softwarelösung zur betriebswirtschaftlichen Beratung schwedischer Unternehmen vor. Häufig frage der Unternehmer, wenn er Investitionen getätigt habe: „Wo ist mein Geld? - Bin ich morgen noch liquide?“ Damit derartige Fragen sachgemäß mit dem Mandanten erörtert werden können, bedürfe es flexibler Simulationstechniken, mit deren Hilfe dem Unternehmer schnell und anschaulich die Entwicklung des Unternehmens aufgezeigt werden kann.
Der deutsche Beitrag zu der Konferenz von Prof. Dr. Axel Pestke baute auf den vorangegangenen Vorträgen und Diskussionen auf, indem er aufzeigte, wie dem gestiegenen Bedarf der KMU nach Finanzierungsbratung (Runde 1) und wie den bei den steuerberatenden Berufen vorhandenen Beratungskompetenzen (Runde 2) durch ein stärkeres Herausstellen der Kompetenz zur Finanzierungsberatung durch die Berufstände (Berufsstandsmarketing) Rechnung getragen werden kann. Sein Vortrag „Finanzierungsberatung durch den deutschen Steuerberater“ beschrieb zunächst die Kreditsituation in Deutschland vor dem Hintergrund der Finanzkrise (dabei ging er u.a. auf die neu geschaffene Position eines Wirtschaftsmediators ein) und stellte die traditionell starke Rolle des deutschen Steuerberaters bei der Finanzierungsberatung und Kreditbeschaffung dar. Dabei ging Pestke auch auf die im gemeinsamen Qualitätshandbuch von BStBK, DStV und DATEV beschriebenen Prozesse Rating Advisory, Finanzierungsberatung und Vermögensberatung ein. Weiter stellte er heraus, dass der wirtschaftliche Ertrag der Berufsangehörigen gegenwärtig noch hinter ihrer Qualifikation zurückbleibt. Dies, obwohl die Umsätze mit vereinbaren Tätigkeiten statistisch betrachtet von 3% im Jahre 2007 auf 8% im Jahre 2009 gestiegen sind. In diesem Zusammenhang verwies Pestke auch auf die vom Deutschen Steuerberaterverband bereits entwickelten Spezialisierungsmöglichkeiten zum Fachberater für Rating (DStV e.V.), Fachberater für Controlling und Finanzwirtschaft (DStV e.V.) und Fachberater für Vermögens- und Finanzplanung (DStV e.V.).
Diskussion
In der anschließenden Diskussion bezeichnete deren Moderator Jørgen Lund aus Norwegen die Vorgehensweise des DStV als beispielgebend auch für die Berufsstände in anderen EU-Mitgliedssaaten.
In weiteren Vorträgen berichtete dann Frau Loreta Calero von der spanischen Berufsorganisation CGCEE über die Finanzierungsberatung in Spanien. 84,3% der spanischen KMU seinen auf Bankkredite angewiesen. Immer häufiger werde ein höheres Eigenkapital verlangt. Frau Paula Franco und Herr Ferreira von der portugiesischen Berufsorganisation OTOC berichteten sodann über die Reform der Rechnungslegungsvorschriften in Portugal. Zum 01.01.2010 hat Portugal ein neues System der Rechnungslegungsvorschriften eingeführt. Dieses System unterstützt die Anwendung des Faire Value, setzt dem aber in den Bereichen des Handels- und des Steuerrechts gesetzliche Grenzen.
Aus französischer Sicht berichtete sodann Frau Sylvie Boyer von der französischen Berufsorganisation ECF. Sie berichtete u.a. über ein vom französischen Berufsstand entwickeltes Handbuch, in dem nützliche Hinweise zusammengetragen worden sind, wie und mit wessen Hilfe die französischen Berater Unternehmen dabei unterstützen können, die Finanzkrise zu bewältigen. Außerdem berichtete sie über die Arbeit des französischen Wirtschaftsmediators, dem im vergangenen Jahr 20.500 Anträge auf Mediation zugeleitet worden seien, von denen er 64% erfolgreich habe abwickeln können. Dies habe ca. 9.000 Unternehmen ein wirtschaftliches Überleben gesichert. Insgesamt seien 3,65 Mio. EUR nach Vermittlung des französischen Wirtschaftsmediators von Kreditinstituten an KMU ausgekehrt worden.
Fazit der Veranstaltung:
Steuerberater sind notwenige Partner der KMU bei Finanzierungsfragen und Kreditbeschaffung. Sie sind es vor der Hintergrund der Finanzkrise noch mehr als früher. Die europäischen Berufsstände sind insgesamt aufgerufen, sich dem Themenfeld der Finanzierungsberatung verstärkt und strukturiert zuzuwenden.
EFAA-Präsident Geoffrey Britton aus Großbritannien und EFAA-Generalsekretär Frederico Diomeda aus Italien zeigten sich über die Inhalte der Zweiten EFAA-Konferenz erfreut und dankten allen Teilnehmern. Zugleich verwiesen sie darauf, dass sie Dritte EFAA-Konferenz schon im Mai 2010 in London stattfinden wird. Zentrales Thema der Dritten Konferenz werden die Rechnungslegungsstandards für KMU (IFRS for SMEs) sein. Auch an ihr wird sich der DStV engagiert beteiligen.
Zweite EFAA-Konferenz am 19.1.2010 in Brüssel
Die Erste EFAA-Konferenz am 28.11.2008 in Wien beschäftigte sich mit dem Thema „Der Steuerberater als Rating-Berater für KMU“. Seinerzeit hatte DStV-Vizepräsident Prof. Dr. Hans-Michael Korth die Konferenzteilnehmer im Rahmen eines Vortrags über die deutsche Sichtweise unterrichtet (vgl. Stbg 2/2009, S. 95 ff.).Die Zweite EFAA-Konferenz fand am 19.1.2010 in Brüssel statt. Sie befasste sich in einem ausgeweiteten Sinne mit dem Zugang kleiner und mittlerer Unternehmen zu Finanzmitteln, entsprechenden Rechnungslegungsfragen und der Rolle des steuerlichen Beraters in diesem Zusammenhang (Access to finance and Financial reporting - The role of the accountant). Dieses Mal war es DStV-Hauptgeschäftsführer Prof. Dr. Axel Pestke, der als einer der Vortragenden die deutsche Sichtweise beschrieb.
Wissenschaftliche Ergebnisse
In einer ersten Vortrags- und Diskussionsrunde wurden von verschiedenen Rednern die Ergebnisse aktueller empirischer Erhebungen über die Finanzierung von KMU vorgestellt, wobei es sich teilweise um nationale, teilweise aber auch um europaweite und globale Erhebungen handelte. So berichtete ein Vertreter des IFAC-Committees für kleine und mittlere Praxen, Herr Florin Toma aus Rumänien, über eine Umfrage, die das IFAC kürzlich durchgeführt hat (vgl. The Banker, Ausgabe Oktober 2009, S. 138 - 143). In ihr wurden weltweit 500 Banken danach befragt, wie sie die Finanzierung von KMU vor den Hintergrund der Finanzkrise sehen. Ergebnis war, dass weniger Kredite vergeben werden, als in der Vergangenheit, und dass die Gewährung von Krediten an strengere Vorraussetzungen geknüpft wird. Spürbar sei, dass die Qualität der Finanzdaten eine immer größere Rolle spiele und damit auch die Rolle des steuerlichen Beraters. Das IFAC unterstütze zwar das Projekt von speziellen internationalen Rechnungslegungsstandards für KMU (IFRS for SMEs), müsse aber einräumen, dass heute bei der Kreditvergabe durch Banken die nationale Rechnungslegung noch eindeutig im Vordergrund stehe.
Herr Vesa Vanhanen von der Generaldirektion Unternehmen/Finanzierung der Europäischen Kommission berichtete sodann über eine eigene Studie, die die Europäische Kommission in Zusammenarbeit mit der Europäischen Zentralbank und den Zentralbanken der EU-Mitgliedsstaaten bei KMU durchgeführt hat. Insgesamt seien 9.071 Firmen in 27 Mitgliedsstaaten befragt worden. Dabei hätten durchschnittlich 16% der befragten Unternehmen den Zugang zu Finanzmitteln als das gegenwärtig dringendste Problem ihres Unternehmensumfeldes bezeichnet (in Deutschland 13%, in Spanien 23%, in Frankreich 19%, in Großbritannien 15%). Als noch dringender (29%) sei europaweit nur das Finden von Kunden eingestuft worden. 46% der KMU hätten angegeben, es sei in den letzen 6 Monaten schwieriger geworden, Kredite zu erhalten - es werde mehr Eigenkapital verlangt. 64% der Unternehmen hätten angegeben, Bankkredite gegenüber anderen Finanzierungsmethoden zu bevorzugen.
Prof. Robin Jarvis, für EFFA Mitglied im EFRAG, stellte die Ergebnisse einer von der englischen Berufsorganisation ACCA im August 2009 durchgeführten Befragung vor. Diese habe sich an 730 Firmen in 91 Ländern gerichtet und habe ergeben, dass KMU weltweit Investitionen zurückstellen, um Liquidität zu bewahren. Die meisten dieser Unternehmen glauben, dass sich die Finanzierung mit der Zeit immer schwieriger gestalten wird. Die Studie habe auch ergeben, dass Rat in finanziellen Angelegenheiten heute weltweit vornehmlich von Kreditinstituten gegeben wird, doppelt so oft wie von steuerlichen Beratern. Dies, obwohl die meisten Unternehmen angeben, den Rat ihres steuerlichen Beraters zu bevorzugen.
Frau Vicky Cole von der Freien Universität Brüssel stellte eine Studie vor, mit der die Nutzung veröffentlichter Jahresabschlüsse in Belgien untersucht wurde. Dort werden Jahresabschlüsse von der Nationalbank im Internet veröffentlicht. Frau Cole verwies darauf, dass täglich ca. 9.000 Jahresabschlüsse heruntergeladen werden und zog hieraus den Schluss, dass eine Einschränkung der Veröffentlichungspflicht, etwa bei kleinen oder kleinsten Unternehmen, der Transparenz nicht nur in Bezug auf einzelne Unternehmen, sondern auch in Bezug auf die Wirtschaft insgesamt abträglich wäre. Die Befragung habe außerdem ergeben, dass die Nutzer an einer internationalen Vergleichbarkeit überwiegend nicht interessiert sind.
In der anschließenden Diskussion, die von EFAA-Generalsekretär Frederico Diomeda geleitet wurde, stellte der deutsche Kollege StB/WP Dr. Jürgen Maiß, der den DStV in der EFAA-Arbeitsgruppe „Accounting“ vertritt, klar, dass aus deutscher Sicht eine Lösung darin bestehen könnte, dass Mikro-Unternehmen zwar Jahresabschlüsse fertigen, aber nur bestimmte Bilanzpositionen veröffentlichen. Er verwies darauf, dass die Geldgeber in aller Regel über derartige Daten ohnehin verfügen, ohne dass es einer Veröffentlichung bedarf. Demgegenüber machte Herr Luc Hendrickx, Vertreter der Europäischen Vereinigung von KMU (UEAPME), allerdings klar, dass die Mehrheit der in dieser Organisation vertretenen Organisationen politische Bestrebungen, wie sie gegenwärtig im Europaparlament verfolgt werden, Mikro-Unternehmen aus der Veröffentlichungspflicht herauszunehmen, ablehnt.
Praxisberichte
Eine zweite Vortrags- und Diskussionsrunde befasste sich mit der Rolle der steuerlichen Berater, wenn es darum geht, KMU den Zugang zu Finanzmitteln zu ebnen. Herr Luc Hendrickx verwies auf die wichtige Rolle des Beraters in diesem Themenfeld. Seine Organisation, die 83 Mitgliedsorganisationen aus 33 Ländern repräsentiert, sei der Auffassung, dass sich die steuerlichen Berater verstärkt auf dem Gebiet der Finanzierungsberatung engagieren sollten. Dabei gehe es nicht nur um Fragen der Rechnungslegung, sondern z.B. auch darum, dass viele KMU ihr Forderungsmanagement vernachlässigen.
Als Vertreter einer niederländischen Rating- Agentur, die sog. Shadow-Ratings anbietet, über die von den KMU und ihren Beratern mit den Kreditinstituten gesprochen werden kann, sprach sodann Herr Fritz Witt zu den Zuhörern. Sein Unternehmen, ein Spin-Off der DATEV, bietet in den Niederlanden Ratings und Ratingberichte an, wenn ihm über das Internet bestimmt Finanzdaten mitgeteilt werden. Insgesamt seien außer den reinen Finanzdaten ca. 500 Fragen über das Unternehmen zu beantworten. Das KMU erhalte dann eine Auswertung, in der auf Stärken und Schwächen des Unternehmens eingegangen wird. In diesem Zusammenhang betonte Witt die Bedeutung der einheitlichen elektronischen Rechnungslegungssprache XBRL (Extensible Business Reporting Language).
Herr Hans Orre, Berufsträger aus Schweden, stellte sodann eine Softwarelösung zur betriebswirtschaftlichen Beratung schwedischer Unternehmen vor. Häufig frage der Unternehmer, wenn er Investitionen getätigt habe: „Wo ist mein Geld? - Bin ich morgen noch liquide?“ Damit derartige Fragen sachgemäß mit dem Mandanten erörtert werden können, bedürfe es flexibler Simulationstechniken, mit deren Hilfe dem Unternehmer schnell und anschaulich die Entwicklung des Unternehmens aufgezeigt werden kann.
Der deutsche Beitrag zu der Konferenz von Prof. Dr. Axel Pestke baute auf den vorangegangenen Vorträgen und Diskussionen auf, indem er aufzeigte, wie dem gestiegenen Bedarf der KMU nach Finanzierungsbratung (Runde 1) und wie den bei den steuerberatenden Berufen vorhandenen Beratungskompetenzen (Runde 2) durch ein stärkeres Herausstellen der Kompetenz zur Finanzierungsberatung durch die Berufstände (Berufsstandsmarketing) Rechnung getragen werden kann. Sein Vortrag „Finanzierungsberatung durch den deutschen Steuerberater“ beschrieb zunächst die Kreditsituation in Deutschland vor dem Hintergrund der Finanzkrise (dabei ging er u.a. auf die neu geschaffene Position eines Wirtschaftsmediators ein) und stellte die traditionell starke Rolle des deutschen Steuerberaters bei der Finanzierungsberatung und Kreditbeschaffung dar. Dabei ging Pestke auch auf die im gemeinsamen Qualitätshandbuch von BStBK, DStV und DATEV beschriebenen Prozesse Rating Advisory, Finanzierungsberatung und Vermögensberatung ein. Weiter stellte er heraus, dass der wirtschaftliche Ertrag der Berufsangehörigen gegenwärtig noch hinter ihrer Qualifikation zurückbleibt. Dies, obwohl die Umsätze mit vereinbaren Tätigkeiten statistisch betrachtet von 3% im Jahre 2007 auf 8% im Jahre 2009 gestiegen sind. In diesem Zusammenhang verwies Pestke auch auf die vom Deutschen Steuerberaterverband bereits entwickelten Spezialisierungsmöglichkeiten zum Fachberater für Rating (DStV e.V.), Fachberater für Controlling und Finanzwirtschaft (DStV e.V.) und Fachberater für Vermögens- und Finanzplanung (DStV e.V.).
Diskussion
In der anschließenden Diskussion bezeichnete deren Moderator Jørgen Lund aus Norwegen die Vorgehensweise des DStV als beispielgebend auch für die Berufsstände in anderen EU-Mitgliedssaaten.
In weiteren Vorträgen berichtete dann Frau Loreta Calero von der spanischen Berufsorganisation CGCEE über die Finanzierungsberatung in Spanien. 84,3% der spanischen KMU seinen auf Bankkredite angewiesen. Immer häufiger werde ein höheres Eigenkapital verlangt. Frau Paula Franco und Herr Ferreira von der portugiesischen Berufsorganisation OTOC berichteten sodann über die Reform der Rechnungslegungsvorschriften in Portugal. Zum 01.01.2010 hat Portugal ein neues System der Rechnungslegungsvorschriften eingeführt. Dieses System unterstützt die Anwendung des Faire Value, setzt dem aber in den Bereichen des Handels- und des Steuerrechts gesetzliche Grenzen.
Aus französischer Sicht berichtete sodann Frau Sylvie Boyer von der französischen Berufsorganisation ECF. Sie berichtete u.a. über ein vom französischen Berufsstand entwickeltes Handbuch, in dem nützliche Hinweise zusammengetragen worden sind, wie und mit wessen Hilfe die französischen Berater Unternehmen dabei unterstützen können, die Finanzkrise zu bewältigen. Außerdem berichtete sie über die Arbeit des französischen Wirtschaftsmediators, dem im vergangenen Jahr 20.500 Anträge auf Mediation zugeleitet worden seien, von denen er 64% erfolgreich habe abwickeln können. Dies habe ca. 9.000 Unternehmen ein wirtschaftliches Überleben gesichert. Insgesamt seien 3,65 Mio. EUR nach Vermittlung des französischen Wirtschaftsmediators von Kreditinstituten an KMU ausgekehrt worden.
Fazit der Veranstaltung:
Steuerberater sind notwenige Partner der KMU bei Finanzierungsfragen und Kreditbeschaffung. Sie sind es vor der Hintergrund der Finanzkrise noch mehr als früher. Die europäischen Berufsstände sind insgesamt aufgerufen, sich dem Themenfeld der Finanzierungsberatung verstärkt und strukturiert zuzuwenden.
EFAA-Präsident Geoffrey Britton aus Großbritannien und EFAA-Generalsekretär Frederico Diomeda aus Italien zeigten sich über die Inhalte der Zweiten EFAA-Konferenz erfreut und dankten allen Teilnehmern. Zugleich verwiesen sie darauf, dass sie Dritte EFAA-Konferenz schon im Mai 2010 in London stattfinden wird. Zentrales Thema der Dritten Konferenz werden die Rechnungslegungsstandards für KMU (IFRS for SMEs) sein. Auch an ihr wird sich der DStV engagiert beteiligen.








