Inhalt

► DStV-Präsident Seewald zu Schuldenkrise, Steuerpolitik und Berufsrecht
In seiner Eröffnungsrede nahm DStV-Präsident Hans-Christoph Seewald zunächst einen Rückblick auf die vielfältigen Ereignisse seit dem vergangenen Steuerbe-ratertag in Leipzig vor. Neben dem „arabischen Frühling“ und „Fukushima“ gehören hierzu auch die Bemühungen um eine Lösung der europäischen Schuldenkrise. Er kritisierte zwar nicht in scharfer Form, wie die Politik in der Vergangenheit teils innerhalb weniger Tage feste Aussagen wieder relativierte oder sogar auf den Kopf gestellt hatte. Seewald machte allerdings klar, dass angesichts einer kaum beherrschbaren Faktenlage grundlegende Ehrlichkeit seitens der handelnden Politiker das Geringste sei, was die Bürger erwarten könnten. Als Leitplanken einer künftigen europäischen Finanzpolitik stellte Seewald klar, dass an einem uneingeschränkten Haushaltsrecht des Deutschen Bundestags kein Weg vorbeiführe. Er sagte im Übrigen ausdrücklich „nein“ zu kurzfristigen Maßnahmen, die die Finanzmärkte für wenige Tage beruhigen, aber Generationen mit neuen Schulden belasten. Der Präsident sagte auch „nein“ zu einem Einstieg in eine Transferunion, wie sie offenbar mit den „Euro-Bonds“ von Seiten der Europäischen Kommission vorbereitet wird.
Hans-Christoph Seewald sprach noch einen weiteren Aspekt an, der oftmals in der aktuellen Berichterstattung zu kurz kommt: Auf Grund des schon seit längerem zu niedrigen Zinsniveaus werden die Sparpläne der Bürger langfristig konterkariert. Wegen fehlender Erträge aus den Versorgungswerken, Lebensversicherungen und weiteren privaten Sparplänen drohe hiermit später massive Altersarmut. Insofern müsste die Schuldenkrise auch aus diesem Grund alsbald gelöst werden, um den künftigen Ruheständlern wieder Anreize für die Vorsorge zu bieten.
In Sachen Steuerpolitik rief DStV-Präsident Seewald die Kollegen auf, sich frühzeitig mit den Anforderungen der E-Bilanz auseinanderzusetzen. Spätestens im Jahr 2012 müssten die Vorbereitungen für die „neue“ Buchhaltung in 2013 beginnen. Er mahnte aber auch den Gesetzgeber und die Finanzverwaltung an die Einhaltung ihres Versprechens, mit diesem Projekt Bürokratie nicht aufzubauen, sondern abbauen zu wollen. An diesem Maßstab werde die E-Bilanz weiterhin seitens des Berufsstandes gemessen.
Seewald brachte zudem seine Enttäuschung über die fehlenden Fortschritte bei der Reform der Umsatzsteuer und der Gewerbesteuer zum Ausdruck. Im Zentrum der Kritik stand dabei die Verhinderungstaktik der Kommunen, die einer Überarbeitung der Gemeindefinanzen einmal mehr im Wege standen. Sorgen bereiteten Seewald ebenso die ständigen Tariferhöhungen bei der Grunderwerbsteuer, die das ursprüngliche Modell einer „Flat-Tax“ mit breiter Bemessungsgrundlage, aber niedrigem Steuersatz konterkarieren. Weiteren Steuererhöhungen, etwa bei der Abgeltungsteuer, erteilte Seewald ebenso eine Absage.
Gleichzeitig lobte der DStV-Präsident die Kollegialität und die Innovationskraft des Berufs. Diese seien an vielen Beispielen von Kooperationen festzustellen, wie der Trend zu gemeinsamen Mandantenveranstaltungen oder -zeitungen. Insofern sei das Motto des diesjährigen Steuerberatertags sehr treffend gewählt worden. Ein Dauerthema bildet für Hans-Christoph Seewald außerdem der für den Beruf noch immer nur relative Schutz des Mandatsverhältnisses vor Ermittlungsmaßnahmen. Nachdem nunmehr alle Rechtsanwälte, und nicht nur die Strafverteidiger, wieder in den absoluten Schutz einbezogen sind, steht eine entsprechende Regelung für Steuerberater noch aus. Seewald verwahrte sich daher gegen eine „Zweiklassengesellschaft“ der Organe der (Steuer-)Rechtspflege.
► Bundesfinanzminister Dr. Wolfgang Schäuble zu Steuerpolitik und Euro-Rettung
Einen Tag noch zuvor beim G-20-Gipfel beratend zog die Rede von Bundesfinanzminister Dr. Wolfgang Schäuble großes Interesse seitens der Besucher sowie einer Vielzahl von Print- und TV-Medien auf sich. Dennoch waren die Worte zuvörderst an die Anwesenden im Saal gerichtet.
Dr. Schäuble betonte die Bedeutung Deutschlands als Stabilitätsanker in der Europäischen Union. „Wer, wenn nicht wir, soll den Euro als Gemeinschaftswährung erhalten?“, fragte der Bundesfinanzminister rhetorisch. Er lobte weiter den sozialen Zusammenhalt in der Bundesrepublik sowie die politische Kultur der sachlichen Auseinandersetzung, auch mit Blick auf den ebenfalls anwesenden Dr. Norbert Walter-Borjans, Finanzminister von Nordrhein-Westfalen. Dennoch sei die erstmalige Erstattung der Steuermindereinnahmen im Rahmen des Steu-ervereinfachungsgesetzes durch den Bund an die Länder im Hinblick auf den grundgesetzlichen Finanzföderalismus zwar einmalig, aber „einmal zu viel gewesen“. Dr. Schäuble sprach sich zwar derzeit gegen Steuersenkungen aus, machte sich aber gleichzeitig für die Bekämpfung der kalten Progression in einer Größenordnung von 5 bis 6 Mrd. € stark. Bei diesem Thema solle der Staat ehrlich mit dem Steuerbürger umgehen und nicht schleichend Steuern erhöhen, so der Politiker.
Hinsichtlich der Gewerbesteuer unterstützte Schäuble ausdrücklich die Ausführungen von DStV-Präsident Seewald und appellierte nochmals, eine umfassende Reform der Gemeindefinanzen anzugehen. In diesem Zusammenhang seien Freiberufler in das derzeitige System der Gewerbesteuer nicht mit einzubeziehen. Sehr skeptisch sah der Bundesfinanzminister Änderungen bei den Tarifen zur Umsatzsteuer. Diese seien in dieser Legislaturperiode aus seiner Sicht nicht durchsetzbar. Er „persönlich“ würde allerdings einen einheitlichen Tarif befürworten. Was den Ankauf von Steuer-CDs angeht, so bezeichnete der Bundesfinanzminister solche Maßnahmen als auf Dauer nicht tragfähig und verteidigte vehement das jüngst vereinbarte Steuerabkommen mit der Schweiz. Diese Einigung könne sodann die Türen für weitere Verhandlungen mit noch verschwiegenen Staaten wie Luxemburg und Österreich öffnen.

Auf größtes Interesse stießen schließlich Dr. Schäubles Ausführungen – auf Nachfrage von DStV-Präsident Seewald – zu den derzeitigen Lösungsansätzen der europäischen Schuldenkrise. Hierzu stellte er einen Fünf-Punkte-Plan vor, der unter anderem einen Schuldenschnitt für Griechenland und eine höhere Kapitalisierung der Banken vorsieht. Nach erheblich längerer Redezeit als geplant wurde der Minister schließlich unter Blitzlichtgewitter der anwesenden Presse und stehenden Ovationen der Zuhörer aus dem Saal begleitet.
► Finanzminister von Nordrhein-Westfalen unterstreicht Bedeutung der Steuerberater
Zuvor unterstrich der Finanzminister von Nordrhein-Westfalen, Dr. Norbert Walter-Borjans, in seiner Begrü-ßungsansprache das Ansehen Deutschlands in der Welt, das er kürzlich auf einer Asienreise erfahren habe. Gerade die Investoren vertrauten auf die finanzielle Solidität des Bundes und seiner Länder. Was die Haushaltspolitik betreffe, so seien nach seiner Ansicht die Ausgaben seiner Gebietskörperschaft nur begrenzt lenkbar, hingegen die Einnahmen je nach Wirtschaftslage volatil. Insofern könne es in Anbetracht der Schuldenbremse keine Steuersenkungen geben. Zwar habe er bisher diesem Instrument skeptisch gegenübergestanden, akzeptiere aber momentan dessen psychologische Bedeutung. Was die zweijährige Steuererklärung anbelangt, so habe er dieser – ebenso wie viele Berater und die Finanzverwaltung – skeptisch gegenübergestanden. Im Endeffekt sei die „Erleichterung“ einvernehmlich im Bundesrat abgelehnt worden. Den Steuerberatern attestierte Dr. Walter-Borjans eine enorme Bedeutung, da die Finanzverwaltung ohne die Vorarbeit des Berufs nicht im Ansatz so leistungsfähig wie heute sei.
► Pressekonferenz zum 34. Deutschen Steuerbera-tertag
In der Pressekonferenz erläuterten DStV-Präsident Hans-Christoph Seewald, DStV-Hauptgeschäftsführer Prof. Dr. Axel Pestke und der Leiter der Öffentlichkeitsarbeit des DStV Markus Deutsch noch einmal in aufbereiteter Form die wichtigsten Themen aus der Rede des Präsidenten. Dabei wurden u.a. für Europa nachhaltige Lösungen anstelle von kurzfristigen Rettungspaketen und ein unbegrenzter Abzug von Aufwendungen für die Erstausbildung gefordert. Alle Pressemitteilungen sind im Internet unter www.dstv.de/presse abrufbar.

► Lebendige Fachvorträge und ab-wechslungsreiche Fachausstellung
Den Mittelpunkt auch des 34. Deutschen Steuerberatertags bildete ein abwechslungsreiches Fachprogramm. Am Montagnachmittag kamen hierbei die klassischen Themen wie die Besteuerung von Personen- und Kapi-talgesellschaften sowie ausgewählte Aspekte der Be-triebsprüfung zur Sprache. Die anschließende Fragestunde mit den Referenten bot Gelegenheit, verschiedene Aspekte zu vertiefen oder neu anzusprechen. Erst zum zweiten Mal auf dem Deutschen Steuerberatertag und dennoch schon etabliert sind die Diskussionsforen der „Xing-Gruppe“ der Steuerberaterverbände. Hierbei nutzen immer mehr Kollegen die Möglichkeit, sich über Kanzleiführung, Qualitätsmanagement und Marketing auszutauschen.

Am Dienstag wurden sodann die Umsatzsteuerprobleme, sowohl aus Sicht des Beraters als auch der Finanz-verwaltung, beleuchtet. Im Anschluss fand die traditionell sehr beliebte Podiumsdiskussion rund um die ertrags-teuerlichen Praxisprobleme statt. Die Fachberater (DStV e.V.) und alle anderen interessierten und informierten sich parallel in Sachen „Unternehmensnachfolge“ sowie „Sanierung und Insolvenzverwaltung“. Diese Veranstal-tungen werden auch als Pflichtfortbildung für die Fachbe-rater (DStV e.V.) anerkannt.
► Der Fachberater (DStV e.V.) wird „erwach-sen“
Ein Jubiläum der besonderen Art gab es am zweiten Tag zu feiern. Vier Jahre nachdem der Fachberater (DStV e.V.) ins Leben gerufen wurde, ließ es sich der DStV nicht nehmen, dem 1 000. Antragsteller die Urkunde im Rahmen der Fachberater-Pflichtfortbildung offiziell und unter dem Beifall der Kollegen zu überreichen. DStI-Vizepräsidentin Ute Mascher würdigte hierbei ausdrücklich den Weg, den der DStV mit der Einführung der Fachberater zwischenzeitlich gegangen ist. Für diese kurze Zeit habe die Bezeichnung bereits eine beachtliche Akzeptanz erreicht. Persönlich freute sie sich über die Tatsache, dass die 1 000. Zulassung gerade an eine junge Kollegin erfolgte, die sich kurz nach dem Steuerberaterexamen sogleich zu einer weiteren Qualifizierung entschieden hatte.

► Kennenlernen von Düsseldorf/2012 steht Hamburg auf dem Programm
Der Steuerberatertag bietet stets die Möglichkeit, auch die Umgebung des Kongresses zu erkunden. So bot eine ausführliche und im Kartenpreis enthaltene Stadtrundfahrt schon am Sonntag die Gelegenheit, die Sehenswürdigkeiten der Rhein-Metropole näher kennenzulernen. Für die Begleitpersonen hatte der DStV zudem ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm, wie den Besuch der „Zeche Zollverein“ oder eine Schlössertour, und nicht zuletzt eine ganztägige Kinderbetreuung organisiert. Das traditionelle „Warm up“ am Sonntagabend fand in dem bekannten Henkel-Saal in der Innenstadt statt, unter anderem unter Mitwirkung des Kämmerers von Düsseldorf. Dieser ließ sich nicht nehmen, die Vitalität und vor allem die Schuldenfreiheit „seiner“ Stadt zu unterstreichen. Der Montagabend in der außergewöhnlichen „Nachtresidenz“ mit Musik, Tanz und Drinks oder der klassische gediegene Abend im „Kom(m)ödchen“ rundeten den ersten Arbeitstag gelungen ab. Bei vielen guten Gesprächen kam auch hier der Netzwerkgedanke unter den Kollegen nicht zu kurz.

Im kommenden Jahr lädt Sie der DStV zum 35. Deutschen Steuerberatertag nach Hamburg ein, sodann am 22. und 23.10.2012 in eins der modernsten Kongresscenter, das CCH in der City der Hansestadt.
34. Deutscher Steuerberatertag in Düsseldorf „Netzwerke erleben – Kompetenzen stärken“
Viel Lob und Anerkennung von Kollegen, Ehrengästen und Fachjournalisten bekam der 34. Deutsche Steuerberatertag am 17. und 18.10.2011 in Düsseldorf. Mit etwa 1 000 Besuchern und am politischen Montagvormittag sogar mit über 1 200 Zuhörern wurden die Erwartungen noch übertroffen. Hervorzuheben ist, dass sich die Kollegen in vielen Diskussionsforen das Motto des diesjährigen Steuerberatertags „Netzwerke erleben – Kompetenzen stärken“ in erfreulichem Maße zu eigen machten.
► DStV-Präsident Seewald zu Schuldenkrise, Steuerpolitik und Berufsrecht
In seiner Eröffnungsrede nahm DStV-Präsident Hans-Christoph Seewald zunächst einen Rückblick auf die vielfältigen Ereignisse seit dem vergangenen Steuerbe-ratertag in Leipzig vor. Neben dem „arabischen Frühling“ und „Fukushima“ gehören hierzu auch die Bemühungen um eine Lösung der europäischen Schuldenkrise. Er kritisierte zwar nicht in scharfer Form, wie die Politik in der Vergangenheit teils innerhalb weniger Tage feste Aussagen wieder relativierte oder sogar auf den Kopf gestellt hatte. Seewald machte allerdings klar, dass angesichts einer kaum beherrschbaren Faktenlage grundlegende Ehrlichkeit seitens der handelnden Politiker das Geringste sei, was die Bürger erwarten könnten. Als Leitplanken einer künftigen europäischen Finanzpolitik stellte Seewald klar, dass an einem uneingeschränkten Haushaltsrecht des Deutschen Bundestags kein Weg vorbeiführe. Er sagte im Übrigen ausdrücklich „nein“ zu kurzfristigen Maßnahmen, die die Finanzmärkte für wenige Tage beruhigen, aber Generationen mit neuen Schulden belasten. Der Präsident sagte auch „nein“ zu einem Einstieg in eine Transferunion, wie sie offenbar mit den „Euro-Bonds“ von Seiten der Europäischen Kommission vorbereitet wird.
Hans-Christoph Seewald sprach noch einen weiteren Aspekt an, der oftmals in der aktuellen Berichterstattung zu kurz kommt: Auf Grund des schon seit längerem zu niedrigen Zinsniveaus werden die Sparpläne der Bürger langfristig konterkariert. Wegen fehlender Erträge aus den Versorgungswerken, Lebensversicherungen und weiteren privaten Sparplänen drohe hiermit später massive Altersarmut. Insofern müsste die Schuldenkrise auch aus diesem Grund alsbald gelöst werden, um den künftigen Ruheständlern wieder Anreize für die Vorsorge zu bieten.
In Sachen Steuerpolitik rief DStV-Präsident Seewald die Kollegen auf, sich frühzeitig mit den Anforderungen der E-Bilanz auseinanderzusetzen. Spätestens im Jahr 2012 müssten die Vorbereitungen für die „neue“ Buchhaltung in 2013 beginnen. Er mahnte aber auch den Gesetzgeber und die Finanzverwaltung an die Einhaltung ihres Versprechens, mit diesem Projekt Bürokratie nicht aufzubauen, sondern abbauen zu wollen. An diesem Maßstab werde die E-Bilanz weiterhin seitens des Berufsstandes gemessen.
Seewald brachte zudem seine Enttäuschung über die fehlenden Fortschritte bei der Reform der Umsatzsteuer und der Gewerbesteuer zum Ausdruck. Im Zentrum der Kritik stand dabei die Verhinderungstaktik der Kommunen, die einer Überarbeitung der Gemeindefinanzen einmal mehr im Wege standen. Sorgen bereiteten Seewald ebenso die ständigen Tariferhöhungen bei der Grunderwerbsteuer, die das ursprüngliche Modell einer „Flat-Tax“ mit breiter Bemessungsgrundlage, aber niedrigem Steuersatz konterkarieren. Weiteren Steuererhöhungen, etwa bei der Abgeltungsteuer, erteilte Seewald ebenso eine Absage.
Gleichzeitig lobte der DStV-Präsident die Kollegialität und die Innovationskraft des Berufs. Diese seien an vielen Beispielen von Kooperationen festzustellen, wie der Trend zu gemeinsamen Mandantenveranstaltungen oder -zeitungen. Insofern sei das Motto des diesjährigen Steuerberatertags sehr treffend gewählt worden. Ein Dauerthema bildet für Hans-Christoph Seewald außerdem der für den Beruf noch immer nur relative Schutz des Mandatsverhältnisses vor Ermittlungsmaßnahmen. Nachdem nunmehr alle Rechtsanwälte, und nicht nur die Strafverteidiger, wieder in den absoluten Schutz einbezogen sind, steht eine entsprechende Regelung für Steuerberater noch aus. Seewald verwahrte sich daher gegen eine „Zweiklassengesellschaft“ der Organe der (Steuer-)Rechtspflege.
► Bundesfinanzminister Dr. Wolfgang Schäuble zu Steuerpolitik und Euro-Rettung
Einen Tag noch zuvor beim G-20-Gipfel beratend zog die Rede von Bundesfinanzminister Dr. Wolfgang Schäuble großes Interesse seitens der Besucher sowie einer Vielzahl von Print- und TV-Medien auf sich. Dennoch waren die Worte zuvörderst an die Anwesenden im Saal gerichtet.
Dr. Schäuble betonte die Bedeutung Deutschlands als Stabilitätsanker in der Europäischen Union. „Wer, wenn nicht wir, soll den Euro als Gemeinschaftswährung erhalten?“, fragte der Bundesfinanzminister rhetorisch. Er lobte weiter den sozialen Zusammenhalt in der Bundesrepublik sowie die politische Kultur der sachlichen Auseinandersetzung, auch mit Blick auf den ebenfalls anwesenden Dr. Norbert Walter-Borjans, Finanzminister von Nordrhein-Westfalen. Dennoch sei die erstmalige Erstattung der Steuermindereinnahmen im Rahmen des Steu-ervereinfachungsgesetzes durch den Bund an die Länder im Hinblick auf den grundgesetzlichen Finanzföderalismus zwar einmalig, aber „einmal zu viel gewesen“. Dr. Schäuble sprach sich zwar derzeit gegen Steuersenkungen aus, machte sich aber gleichzeitig für die Bekämpfung der kalten Progression in einer Größenordnung von 5 bis 6 Mrd. € stark. Bei diesem Thema solle der Staat ehrlich mit dem Steuerbürger umgehen und nicht schleichend Steuern erhöhen, so der Politiker.
Hinsichtlich der Gewerbesteuer unterstützte Schäuble ausdrücklich die Ausführungen von DStV-Präsident Seewald und appellierte nochmals, eine umfassende Reform der Gemeindefinanzen anzugehen. In diesem Zusammenhang seien Freiberufler in das derzeitige System der Gewerbesteuer nicht mit einzubeziehen. Sehr skeptisch sah der Bundesfinanzminister Änderungen bei den Tarifen zur Umsatzsteuer. Diese seien in dieser Legislaturperiode aus seiner Sicht nicht durchsetzbar. Er „persönlich“ würde allerdings einen einheitlichen Tarif befürworten. Was den Ankauf von Steuer-CDs angeht, so bezeichnete der Bundesfinanzminister solche Maßnahmen als auf Dauer nicht tragfähig und verteidigte vehement das jüngst vereinbarte Steuerabkommen mit der Schweiz. Diese Einigung könne sodann die Türen für weitere Verhandlungen mit noch verschwiegenen Staaten wie Luxemburg und Österreich öffnen.

Auf größtes Interesse stießen schließlich Dr. Schäubles Ausführungen – auf Nachfrage von DStV-Präsident Seewald – zu den derzeitigen Lösungsansätzen der europäischen Schuldenkrise. Hierzu stellte er einen Fünf-Punkte-Plan vor, der unter anderem einen Schuldenschnitt für Griechenland und eine höhere Kapitalisierung der Banken vorsieht. Nach erheblich längerer Redezeit als geplant wurde der Minister schließlich unter Blitzlichtgewitter der anwesenden Presse und stehenden Ovationen der Zuhörer aus dem Saal begleitet.
► Finanzminister von Nordrhein-Westfalen unterstreicht Bedeutung der Steuerberater
Zuvor unterstrich der Finanzminister von Nordrhein-Westfalen, Dr. Norbert Walter-Borjans, in seiner Begrü-ßungsansprache das Ansehen Deutschlands in der Welt, das er kürzlich auf einer Asienreise erfahren habe. Gerade die Investoren vertrauten auf die finanzielle Solidität des Bundes und seiner Länder. Was die Haushaltspolitik betreffe, so seien nach seiner Ansicht die Ausgaben seiner Gebietskörperschaft nur begrenzt lenkbar, hingegen die Einnahmen je nach Wirtschaftslage volatil. Insofern könne es in Anbetracht der Schuldenbremse keine Steuersenkungen geben. Zwar habe er bisher diesem Instrument skeptisch gegenübergestanden, akzeptiere aber momentan dessen psychologische Bedeutung. Was die zweijährige Steuererklärung anbelangt, so habe er dieser – ebenso wie viele Berater und die Finanzverwaltung – skeptisch gegenübergestanden. Im Endeffekt sei die „Erleichterung“ einvernehmlich im Bundesrat abgelehnt worden. Den Steuerberatern attestierte Dr. Walter-Borjans eine enorme Bedeutung, da die Finanzverwaltung ohne die Vorarbeit des Berufs nicht im Ansatz so leistungsfähig wie heute sei.
► Pressekonferenz zum 34. Deutschen Steuerbera-tertag
In der Pressekonferenz erläuterten DStV-Präsident Hans-Christoph Seewald, DStV-Hauptgeschäftsführer Prof. Dr. Axel Pestke und der Leiter der Öffentlichkeitsarbeit des DStV Markus Deutsch noch einmal in aufbereiteter Form die wichtigsten Themen aus der Rede des Präsidenten. Dabei wurden u.a. für Europa nachhaltige Lösungen anstelle von kurzfristigen Rettungspaketen und ein unbegrenzter Abzug von Aufwendungen für die Erstausbildung gefordert. Alle Pressemitteilungen sind im Internet unter www.dstv.de/presse abrufbar.

► Lebendige Fachvorträge und ab-wechslungsreiche Fachausstellung
Den Mittelpunkt auch des 34. Deutschen Steuerberatertags bildete ein abwechslungsreiches Fachprogramm. Am Montagnachmittag kamen hierbei die klassischen Themen wie die Besteuerung von Personen- und Kapi-talgesellschaften sowie ausgewählte Aspekte der Be-triebsprüfung zur Sprache. Die anschließende Fragestunde mit den Referenten bot Gelegenheit, verschiedene Aspekte zu vertiefen oder neu anzusprechen. Erst zum zweiten Mal auf dem Deutschen Steuerberatertag und dennoch schon etabliert sind die Diskussionsforen der „Xing-Gruppe“ der Steuerberaterverbände. Hierbei nutzen immer mehr Kollegen die Möglichkeit, sich über Kanzleiführung, Qualitätsmanagement und Marketing auszutauschen.

Am Dienstag wurden sodann die Umsatzsteuerprobleme, sowohl aus Sicht des Beraters als auch der Finanz-verwaltung, beleuchtet. Im Anschluss fand die traditionell sehr beliebte Podiumsdiskussion rund um die ertrags-teuerlichen Praxisprobleme statt. Die Fachberater (DStV e.V.) und alle anderen interessierten und informierten sich parallel in Sachen „Unternehmensnachfolge“ sowie „Sanierung und Insolvenzverwaltung“. Diese Veranstal-tungen werden auch als Pflichtfortbildung für die Fachbe-rater (DStV e.V.) anerkannt.
► Der Fachberater (DStV e.V.) wird „erwach-sen“
Ein Jubiläum der besonderen Art gab es am zweiten Tag zu feiern. Vier Jahre nachdem der Fachberater (DStV e.V.) ins Leben gerufen wurde, ließ es sich der DStV nicht nehmen, dem 1 000. Antragsteller die Urkunde im Rahmen der Fachberater-Pflichtfortbildung offiziell und unter dem Beifall der Kollegen zu überreichen. DStI-Vizepräsidentin Ute Mascher würdigte hierbei ausdrücklich den Weg, den der DStV mit der Einführung der Fachberater zwischenzeitlich gegangen ist. Für diese kurze Zeit habe die Bezeichnung bereits eine beachtliche Akzeptanz erreicht. Persönlich freute sie sich über die Tatsache, dass die 1 000. Zulassung gerade an eine junge Kollegin erfolgte, die sich kurz nach dem Steuerberaterexamen sogleich zu einer weiteren Qualifizierung entschieden hatte.

► Kennenlernen von Düsseldorf/2012 steht Hamburg auf dem Programm
Der Steuerberatertag bietet stets die Möglichkeit, auch die Umgebung des Kongresses zu erkunden. So bot eine ausführliche und im Kartenpreis enthaltene Stadtrundfahrt schon am Sonntag die Gelegenheit, die Sehenswürdigkeiten der Rhein-Metropole näher kennenzulernen. Für die Begleitpersonen hatte der DStV zudem ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm, wie den Besuch der „Zeche Zollverein“ oder eine Schlössertour, und nicht zuletzt eine ganztägige Kinderbetreuung organisiert. Das traditionelle „Warm up“ am Sonntagabend fand in dem bekannten Henkel-Saal in der Innenstadt statt, unter anderem unter Mitwirkung des Kämmerers von Düsseldorf. Dieser ließ sich nicht nehmen, die Vitalität und vor allem die Schuldenfreiheit „seiner“ Stadt zu unterstreichen. Der Montagabend in der außergewöhnlichen „Nachtresidenz“ mit Musik, Tanz und Drinks oder der klassische gediegene Abend im „Kom(m)ödchen“ rundeten den ersten Arbeitstag gelungen ab. Bei vielen guten Gesprächen kam auch hier der Netzwerkgedanke unter den Kollegen nicht zu kurz.

Im kommenden Jahr lädt Sie der DStV zum 35. Deutschen Steuerberatertag nach Hamburg ein, sodann am 22. und 23.10.2012 in eins der modernsten Kongresscenter, das CCH in der City der Hansestadt.








