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35. Deutscher Steuerberatertag in Hamburg „Erfolgsstrategien kompakt“ - Tagungsbericht

35. Deutscher Steuerberatertag in Hamburg

„Erfolgsstrategien kompakt“ - Tagungsbericht
Eine durchweg positive Resonanz erhielt der 35. Deutsche Steuerberatertag, der dieses Jahr am 22./23. Oktober 2012 in der Freien und Hansestadt Hamburg stattfand, von seinen mehr als 1.400 Besuchern. Es war wieder die Mischung aus hochwertigem Fachprogramm, spannenden Diskussionen zu Kanzleithemen, einer ausgesuchten Fachausstellung und nicht zuletzt vielfältigen Möglichkeiten zum Netzwerken sowie Treffen von Freunden und Kollegen, die den Deutschen Steuerberatertag zu einem Branchentreffen der besonderen Art machte.

DStV-Präsident Seewald mit Impulsen zu Steuer- und Finanzpolitik

In seiner Eröffnungsrede formulierte DStV-Präsident Hans-Christoph Seewald vor über 1.200 Zuhörern klare Forderungen in Sachen Finanzpolitik und Erneuerung der Europäischen Union. So trat der Präsident unmissverständlich für die Aufhebung der Blockade bei der Bekämpfung der kalten Progression ein. Eine weitere Inkaufnahme von heimlichen Steuererhöhungen sei unverantwortlich, so Seewald. Seinen Ärger drückte er auch über den Stillstand beim unterschriftsreifen Schweizer Steuerabkommen aus: „Jede weitere Verzögerung schadet dem Ansehen und der Glaubwürdigkeit der Bundesrepublik.“

Im Hinblick auf das einmal mehr beim BVerfG liegende Erbschaftsteuerrecht mahnte der DStV-Präsident zur Besonnenheit und warnte vor politischem Aktionismus. Zum einen stehe noch längst nicht die Entscheidung der Karlsruher Richter fest. Zum anderen hätten sich die Steuerbegünstigungen, u.a. des Betriebsvermögens, für den Mittelstand grundsätzlich bewährt. An die Adresse des diesjährigen Impulsredners Jörg Asmussen (Direktorium der Europäischen Zentralbank) betonte Seewald seine Sorgen bezüglich der massenhaften Anleihenkäufe der Zentralbank in jüngerer Zeit. Niemand wisse, wie lange dieses „heilsame Gift“ für die Finanzmärkte noch nütze oder ob es nicht doch schade.

Auf europäischer Ebene ist nach Ansicht von Hans-Christoph Seewald ein weiteres Zusammenwachsen der Staaten und Institutionen unausweichlich. Insbesondere bei der Forderung nach Stärkung des Europäischen Parlaments sah sich der Präsident im Einklang mit jüngsten Äußerungen prominenter Europapolitiker. Die derzeitigen Pläne zu einer europäischen Bankenunion fanden die grundsätzliche Unterstützung Seewalds. Allerdings dürfe die grenzüberschreitende Aufsicht und Risikoverteilung nicht zu einer Einengung des deutschen Kreditmarktes führen, warnte der Präsident zugleich.

EZB-Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen verteidigt jüngste Anleihenkäufe

Der Redner des Eröffnungsvortrags, Jörg Asmussen, ließ es sich als Mitglied des Direktoriums der Europäischen Zentralbank (EZB) nicht nehmen, in einer viel beachteten und lebendigen Rede auf die kritischen Worte von DStV-Präsident Hans-Christoph Seewald einzugehen. Asmussen verteidigte dabei die Anleihenkäufe der EZB, da für die begünstigten Euro-Staaten klare Bedingungen gestellt würden und eine Einbeziehung des IWF gefordert werde. Im Übrigen wolle man mit diesen Interventionen lediglich gleiche Finanzierungsbedingungen in Europa erreichen, die trotz einer gemeinsamen Währung immer wieder stark auseinanderdriften. Die Käufe erfolgten zudem nur auf dem Sekundärmarkt. Daher liege nach Ansicht von Asmussen auch keine direkte Staatsfinanzierung vor, die der EZB verboten ist.

Die von vielen gesehene Inflationsgefahr teilte Jörg Asmussen nicht. Mittelbar sei die Geldentwertung auf 2 % verankert. Im Hinblick auf die Anleihenkäufe entziehe man dem Markt gegenläufig an anderer Stelle Liquidität, um inflationären Tendenzen vorzubeugen. Trotz aller derzeitigen Schwierigkeiten bemühte sich das EZB-Direktoriumsmitglied, auch die Erfolge in der Euro-Zone zu unterstreichen: So hätten die Problemstaaten bislang große Anstrengungen zur Bewältigung der Krise unternommen und Griechenland habe jüngst seit Jahren zum ersten Mal wieder einen Export-Überschuss erreichen können. Aber auch in Deutschland seien weitere Reformen notwendig, etwa zur Verbesserung der naturwissenschaftlichen Ausbildung. Schließlich werde hierzulande dem demographischen Faktor immer noch zu wenig Beachtung geschenkt. Einig zeigten sich Asmussen und Seewald in ihrer These, dass im Laufe des weiteren europäischen Zusammenwachsens dem Europäischen Parlament eine wesentlich größere Bedeutung zukommen müsse.

Grußwort des Finanzsenators Dr. Tschentscher…

In seinem Grußwort ließ es sich der Finanzsenator der Freien und Hansestadt Hamburg, Dr. Peter Tschentscher, nicht nehmen, auf die erhebliche Finanzkraft der Metropole hinzuweisen: 50 Milliarden € an Steuereinnahmen nehme die Stadt an der Elbe jährlich ein und liege damit - vor dem Länderfinanzausgleich - pro Einwohner an erster Stelle. Trotz oder gerade wegen dieser Ertragskraft pflege man in der Hansestadt einen konstruktiven Austausch zwischen Steuerberatern und Steuerverwaltung. Schließlich bat er die versammelte Beraterschaft in Sachen Einführung der E-Bilanz um Wohlwollen. Auch die Mandanten würden von dem Projekt später profitieren, wenn Betriebsprüfungen nur noch zielgerichtet durchgeführt werden. Gegenüber dem ebenfalls anwesenden Schweizer Fernsehen sprach sich Dr. Tschentscher für einen weiteren Steuer-CD-Ankauf aus.

… und des Präsidenten des BFH Prof. Dr. Mellinghoff

Der Präsident des BFH, Prof. Dr. Rudolf Mellinghoff lobte in seinem weiteren Grußwort die Innovationsfreudigkeit des DStV und seiner Steuerberaterverbände und unterstrich die Bedeutung einer soliden fachlichen Grundlage für die Berater. Schließlich entwickele sich auch die Rechtsprechung ständig weiter, wie zuletzt mit der Anerkennung von nachträglichen Werbungskosten aus Vermietung und Verpachtung. Moderne Datenverarbeitung gehöre ebenso zur Realität in der Steuerberatung. Allerdings, so äußerte sich Prof. Dr. Mellinghoff entschlossen, dürfe es keinen Vorrang der Software gegenüber dem Vorbehalt und dem Vorrang des Gesetzes geben! Die EDV dürfe lediglich Hilfsmittel in der Steuerberatung und –verwaltung darstellen. Daneben äußerte er sich kritisch im Hinblick auf die zunehmende Vermengung von Strafverfolgung und Steuervollzug zum Nachteil der Steuerpflichtigen.

Pressekonferenz zum 35. Deutschen Steuerberatertag

In der Pressekonferenz, an der zur Freude des DStV auch BFH-Präsident Prof. Dr. Rudolf Mellinghoff teilnahm, diskutierten DStV-Präsident Hans-Christoph Seewald, DStV-Hauptgeschäftsführer Prof. Dr. Axel Pestke und der Leiter der Öffentlichkeitsarbeit des DStV, Markus Deutsch, die wichtigsten Themen des politischen Vormittags. Dabei unterstrich Präsident Seewald seine Forderung nach einer Erhöhung des Sparer-Pauschbetrags auf 3.000 €, um dem Bürger den Aufbau einer soliden Altersversorgung zu ermöglichen. Prof. Dr. Mellinghoff erneuerte zudem seine grundsätzliche Kritik am Einsatz von so genannten „Flankenschutz-Fahndern“ (vgl. FAZ und FTD vom 23.10.2012) in der Außenprüfung. Die Pressemitteilungen zum 35. Deutschen Steuerberatertag sind auf www.dstv.de nachzulesen.

Lebendige Fachvorträge und abwechslungsreiche Fachausstellung

Den Mittelpunkt auch des 35. Deutschen Steuerberatertags bildete ein abwechslungsreiches Fachprogramm. Am Montagnachmittag kamen hierbei die klassischen Themen wie die Betriebsprüfung aus Sicht der Berater und der Finanzverwaltung zur Sprache. Die anschließende Fragestunde bot Gelegenheit zum vertiefenden Austausch mit den Referenten. Wie üblich gut besucht war auch die Podiumsdiskussion zu aktuellen ertragsteuerlichen Praxisproblem am folgenden Dienstag. Die stetig wachsende Bedeutung der Umsatzsteuer bestätigten die Referate zu diesem Thema. Die Fachberater auf dem Gebiet der vereinbaren Tätigkeiten - und erfahrungsgemäß viele Interessierte - konnten sich umfangreich zu den neuen Entwicklungen im Bereich Insolvenz und Nachfolgeplanung informieren bzw. einen Teil der jährlichen Pflichtfortbildung für Fachberater absolvieren. Ihre Fortsetzung fanden auch die Veranstaltungen der „Xing-Gruppe“.

Viel Aufmerksamkeit zog ebenfalls das Podiumsgespräch zwischen DStV-Präsident Hans-Christoph Seewald und Prof. Dieter Kempf (Vorstandsvorsitzender der Datev e.G. und Präsident des BITKOM e.V.) zur „Steuerberatung in der digitalen Welt“ auf sich. IT-Sicherheit, Vollmachtsdatenbank und die Chancen mit der E-Identifikation bildeten nur einige der angesprochenen Aspekte, die in den Gremien des DStV, wie das Verbändeforum EDV, weiterdiskutiert werden.

Kennenlernen von Hamburg/2013 steht die Hauptstadt auf dem Programm

Die Freie und Hansestadt Hamburg ist nicht nur eine der schönsten Metropolen, sie ist nach Erhebung des „Glücks-Atlas 2012“ auch die Stadt mit den glücklichsten Menschen Deutschlands. Der diesjährige Steuerberatertag bot die Möglichkeit, diesen beiden Thesen näher auf den Grund zu gehen, beispielsweise bei einer Stadtrundfahrt. Auch das Rahmenprogramm für die Begleitpersonen, etwa zum Airbus-Werk nach Finkenwerder oder nach Lüneburg, wurde gern angenommen. Ganz im Sinne der Familienfreundlichkeit hatte der DStV als Veranstalter darüber hinaus eine ganztägige Kinderbetreuung organisiert. Den Montagabend beschlossen die Besucher entweder bei der Party im „Hühnerposten“ oder bei einer seitens der Presse viel beachteten Generalprobe im Hansa Varieté Theater. Schon die Begrüßung am Sonntagabend konnte sich sehen lassen. Im altehrwürdigen Börsensaal der Handelskammer Hamburg sprach dessen Präses Fritz Horst Melsheimer den Teilnehmern - neben DStV-Präsident Hans-Christoph Seewald sowie DStI-Vizepräsidentin Ute Mascher als Präsidentin des gastgebenden Steuerberaterverbandes - eine freundliche Begrüßung aus.

Im Jahr 2013 lädt Sie der DStV herzlich ein zum 36. Deutschen Steuerberatertag, am 21. und 22. Oktober in Berlin!



Berlin/Hamburg, 22. Oktober 2012