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DStV für Rechtssicherheit beim ersetzenden Scannen!

Günstige Rahmenbedingungen für kleine und mittlere Unternehmen schaffen – DStV und EFAA kämpfen dafür!

Günstige Rahmenbedingungen für kleine und mittlere Unternehmen schaffen – DStV und EFAA kämpfen dafür!Think small first! - Denk zuerst an die Kleinen! - Dieser Gedanke zog sich wie ein roter Faden durch das Programm der 10. Jahreskonferenz der FCM (Fédération des Experts Comptables Mediterranéens), welche am 5.12.2011 in Rom stattfand und bei der der DStV und die EFAA durch DStV-Hauptgeschäftsführer RA / FAStR Prof. Dr. Axel Pestke vertreten waren.

In der FCM, die im Jahre 1999 gegründet wurde, sind Berufsorganisationen von steuer- und wirtschaftsberatenden sowie wirtschaftsprüfenden Berufen fast sämtlicher Mittelmeer-Anrainerstaaten mit insgesamt rd. 330.000 Berufsangehörigen zusammengefasst. Die EFAA (European Federation of Accountants and Auditors for Small and Medium-sized Enterprises), deren Mitglied der DStV ist, hatte jüngst ein Freundschafts- und Kooperationsabkommen mit dieser Vereinigung geschlossen.

Das Motto der diesjährigen Konferenz lautete: „Rechnungslegung und Prüfung kleiner und mittlerer Unternehmen: Wie schaffen wir Transparenz ohne gleichzeitige Überregulierung?“

Eröffnung und Grußworte

Der Präsident der FCM, Ninos Hadjirousos aus Zypern, betonte in seiner Begrüßungsansprache, dass FCM und EFAA in dem Ziel übereinstimmen, sich politisch und fachlich für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) besonders einzusetzen.

Sodann sprach der Vizepräsident der italienischen Steuerberaterkammer CNDCEC (Consiglio Nationale dei Dottori Commercialisti e degli Experti Contabili), Francesco Distefano, und begrüßte die Teilnehmer. Er vertrat die Auffassung, dass die weltweite Wirtschafts- und Finanzkrise Unternehmer, Berater und Prüfer vor Herausforderungen stelle, auf die niemand im Rahmen seiner Ausbildung ausreichend habe vorbereitet werden können. Sämtliche Rechtsvorschriften im Bereich der Rechnungslegung und der Abschlussprüfung, zählten sie nun zum Rechtskreis des Common Law oder zu dem des Civil Law, gehörten auf den Prüfstand. Im Namen des italienischen Berufsstandes vertrat Distefano die Ansicht, das Prinzip „Think small first!“ müsse nicht nur in Europa und der gesamten Mittelmeerregion gelten, sondern weltweit, denn überall stellten die KMU das Rückgrat der Wirtschaft und damit den entscheidenden Faktor für die Wohlfahrt eines Landes dar. Einer unbedachten Abschaffung von Vorschriften (z.B. Bilanzierungspflichten) erteilte Distefano allerdings eine Absage. Es müsse ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Transparenz einerseits und überschaubaren bürokratischen Lasten andererseits erreicht werden. Dabei müssten z.T. auch kulturelle Unterschiede berücksichtigt werden.

Der Präsident der International Federation of Accountants (IFAC), Göran Tidström, betonte dass eine gute Rechnungslegung und eine zuverlässige Abschlussprüfung notwendige Voraussetzungen für wirtschaftliches Wohlergehen eines Landes oder Kontinents sind. Tidström bezweifelte zwar, dass der Grundsatz „Think small first“ in seiner Organisation schon als generelle Maxime gelten könne, sprach sich aber auch dafür aus, die Besonderheiten der KMU stärker zu berücksichtigen. Dabei müsse der Grundsatz gelten „Vereinfachungen für KMUs ja, aber keine Über-Vereinfachungen“. Das Kind dürfe nicht mit dem Bad ausgeschüttet werden. – Nicht zufrieden zeigte sich Tidström damit, dass die Europäische Kommission in ihren Vorschlägen zur Modernisierung der 4. und 7. Richtlinie den IFRS for SMEs sehr kritisch gegenüberstehe. IFAC empfehle, sich weiter mit den IFRS for SMEs zu beschäftigen, wolle dadurch den KMU und den Mikro-Unternehmen aber keinen Schaden zufügen.

Reform der Abschlussprüfung – vom Grünbuch zum Weißbuch der EU-Kommission

Im Fokus der anschließenden Podiumsdiskussion unter Leitung des Portugiesen Oscar Figueiredo, Vorstandsmitglied der FCM, stand sodann die Bewertung des von der EU-Kommission jüngst vorgelegten Entwurfs eines Weißbuchs zur Abschlussprüfung.

Richard Fleck, Präsident der für Abschlussprüfungsfragen zuständigen Abteilung (Auditing Practice Board) des staatlichen Rechnungslegungsgremiums des Vereinigten Königreichs (Financial Reporting Council, FRC), stellte in einem Kurzvortrag dar, welche Auswirkungen die Vorschläge der EU-Kommission auf das Tätigkeitsfeld und den Markt der Abschlussprüfung haben können. Anders als bei früheren Finanzkrisen sei die Politik jetzt entschlossen, tiefgreifende Änderungen an dem bestehenden System vorzunehmen. So sollten die Konzentration des Prüfungsmarktes überwunden und die Aussagekraft der Jahresabschlüsse verbessert werden. Zumindest bei börsennotierten Unternehmen solle es eine Trennung von Prüfung und Beratung geben. Große WP-Gesellschaften sollten gezwungen werden, ausschließlich Prüfungstätigkeiten auszuüben. Die entsprechenden Vorschläge kleide die EU-Kommission z.T. in das Rechtskleid einer Verordnung (regulation), z.T. in das Rechtskleid einer Richtlinie (directive) mit Mitgliedstaatenwahlrechten. Teil der Vorschläge seien die Aufhebung der strikten Kapitalbindung bei WP-Gesellschaften und die Möglichkeit, die Prüfungsintensität an der Größe und den Risiken der geprüften Gesellschaft auszurichten. Letzteres sah Fleck kritisch, weil dies seiner Ansicht nach das Prinzip „An audit is an audit“ (Prüfung ist Prüfung) ausheble. Fleck vertrat auch die Ansicht „Self-regulation is dead!“, die Selbstregulierung des wirtschaftsprüfenden Berufs existiere nicht mehr, wenn die Kommissionsvorschläge verwirklicht würden. Fazit aus Sicht Flecks: Das Wirtschaftsprüfergeschäft und der Wirtschaftsprüfermarkt werden sich ändern; viel werde davon abhängen, wie sich die Mitgliedstaaten zu den von der EU-Kommission vorgeschlagenen Änderungen stellen.

Für die französische Steuerberaterkammer (Conseil Superieur de l’Ordre des Experts Comptables, CSOEC) sprach deren Vizepräsident Philippe Arraou, ehemaliger Präsident der EFAA. Er stellte die besondere Bedeutung der Unabhängigkeit und der Qualität der Abschlussprüfer im Bereich der KMU dar. Dabei bezweifelte er, dass der Grundsatz „An audit is an audit“ heute noch uneingeschränkte Geltung beanspruchen könne. In Frankreich gebe es z.B. seit dem Jahre 2009 einen besonderen Prüfungsstandard für KMU, welcher der professionellen Einschätzung des Prüfers mehr Gewicht einräume.- Regelungen über die Abschlussprüfung dürften nicht als administrative Lasten bezeichnet werden, wie die Kommission dies früher getan habe. Zwischenzeitlich habe die Kommission die Zeichen der Zeit aber erkannt und mit ihren Vorschlägen jetzt einen guten Weg eingeschlagen. Die KMU fänden jetzt eine viel größere Aufmerksamkeit und es würden praktikable Regelungen von der Kommission ins Auge gefasst. Dies sei auch das Verdienst der EFAA.

Göran Tidström stellte klar, dass IFAC an dem Grundsatz „An audit is an audit“ weiter festhalten möchte.

Der Präsident der Fédération des Experts Comptables Européens (FEE), Philip Johnson, erklärte, es sei absehbar, dass auf die wirtschaftsprüfenden Berufe eine Zeit der Veränderungen zukomme. Dies berge Risiken, aber auch Chancen.

Modernisierung der Rechnungslegung – Vorschläge der EU-Kommission und IFRS for SME

In den Nachmittagsveranstaltungen standen dann Fragen der nationalen und internationalen Rechnungslegung auf dem Programm.

Lino Cardarelli, Vertreter einer Vereinigung von kleiner und mittlerer Unternehmen im Mittelmeerraum (Union for the Mediterranean, UfM) mit Sitz in Barcelona, sprach zunächst über die vielfältigen Herausforderungen, vor die sich die vom sog. Arabischen Frühling erfassten Volkswirtschaften gestellt sehen. Er sei froh, dass FCM diesen Ländern Unterstützung gewähre. Eine solche sei dringend erforderlich, damit auch dort mittelfristig effiziente und angemessene Rechnungslegungssysteme entstehen und die betreffenden Volkswirtschaften ihren Platz im Welthandel finden könnten.

Unter der Leitung von Prof. Robin Jarvis, dem Leiter des KMU-Ausschusses der ACCA (Association of Chartered Certified Accountants, London) folgten dann Fachvorträge und eine Podiumsdiskussion zu einem weiteren Kernthema der Konferenz: Wie können die Rechnungslegungsanforderungen an KMU so festgelegt werden, dass sie eine ausreichende Transparenz bewirken, ohne den KMU auf der anderen Seite unverhältnismäßige administrative Lasten aufzuerlegen?

Zu diesem Thema sprach zunächst DStV-Hauptgeschäftsführer Prof. Dr. Pestke. Er machte deutlich, dass ein Mindestmaß an Rechnungslegung für jedes ernst zu nehmende Unternehmen erforderlich ist, unabhängig von seiner Größe. Rechnungslegung sei vielfach nicht von außen auferlegte Last (burden), sondern erforderlich, um Unternehmen wirtschaftlich erfolgreich führen zu können (tool). Sodann ging Pestke auf die von der Stoiber-Advisory Group ins Spiel gebrachten Reformüberlegungen für Mikro-Unternehmen ein und schilderte den gegenwärtigen Diskussionstand auf EU-Ebene, nachdem es dreiseitige Gespräche zwischen Europäischem Rat, Europäischer Kommission und Europäischem Parlament in dieser Frage gegeben habe. Geplant sei gegenwärtig ein Kompromiss, bei dem die Schwellenwert, gemessen an den Ausgangsforderungen der verschiedenen Seiten, auf ein mittleres Niveau festgelegt werden sollen: Bilanzsumme 350.000 Euro (statt 500.000 oder 250.000 Euro), Jahresumsatz 700.000 Euro (statt 1 Mio. Euro oder 500.000 Euro). Für die Belegschaft solle weiterhin eine Grenze von 10 Mitarbeitern gelten. Für die betreffenden Unternehmen solle die Bilanzierungspflicht aber nicht – wie ursprünglich geplant - generell abgeschafft, sondern es sollten Bilanzierungserleichterungen eingeführt werden. Des Weiteren ging Pestke auf die Vorschläge der EU-Kommission zur Reform der 4. und 7. Bilanzrichtlinie ein. Er schilderte, dass die Kommission die Abschaffung von über 100 Wahlrechten anstrebe. Außerdem unterstreiche die Kommission ausdrücklich, dass die IFRS for SMEs zum gegenwärtigen Zeitpunkt keine Option darstellen, weil sie in mehreren Aspekten der geplanten Richtlinie zuwiderlaufen. Geplant sei außerdem, bestimmte, allgemein anerkannte, bisher in den Richtlinien aber nicht ausdrücklich erwähnte Prinzipien in diese aufzunehmen (z.B. Going concern und Substance over form). Ein „gold-plating“, also die Hinzufügung höherer Bilanzierungsanforderungen durch die Mitgliedstaaten, werde verboten. Im Schlussteil seines Vortrags ging Pestke auf die angestrebte Lösung zur Offenlegung bei KMUs ein, die er aus deutscher Sicht begrüßte. Danach soll eine Einreichung und Hinterlegung bei den zuständigen Stellen genügen. Im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern sei Deutschland in dieser Frage immer vorsichtig und versuche die KMU vor einer flächendeckenden Ausspähung durch Konkurrenten zu schützen. Abschließend hob Pestke hervor, dass im Bereich der Rechnungslegung wie in anderen Bereichen immer nach der besten Lösung für das konkrete, einzelne Problem gesucht werden und nach dem Prinzip der „Best practice“ verfahren werden sollte. In diesem Sinne sei der weltweite Diskussionsprozess zu begrüßen, der nunmehr – anders als früher – die KMU in den Mittelpunkt der Überlegungen stelle. Der DStV und die EFAA begrüßten dies ausdrücklich.

Das nachfolgende Referat war dem Zusammenhang zwischen Handels- und Steuerbilanz im internationalen Vergleich gewidmet. Hierzu sprach der Vorsitzende des für KMP (kleine und mittlere Praxen) zuständigen Ausschusses der IFAC, der Italiener Giancarlo Attolini. Der Vortragende machte deutlich, dass es in dem Zusammenspiel von Handels- und Steuerbilanz weltweit große Unterschiede gebe, dass aber eine zunehmende Tendenz zu beobachten sei, dass sich Steuerbehörden bereits unterjährig oder laufend in die Unternehmen begeben, um eine Art laufender Prüfung des Rechnungswesens durchzuführen.

Yoseph Asmelash, Vertreter der Konferenz der Vereinten Nationen für Handel und Entwicklung (UNCTAD), stellte die Möglichkeiten und Bedürfnisse dar, die Unternehmer in der Dritten Welt in Bezug auf Fragen der Rechnungslegung bewegen. Er stellte zwei von den Vereinten Nationen entwickelte Leitfäden vor, mit denen Mikro-Unternehmen und kleinen Unternehmen in Entwicklungsländern der Weg zu einem aussagekräftigen Rechnungswesen geebnet werden kann.

KMU und eine bessere Mittelstandspolitik

Der Schlussteil der Nachmittagsveranstaltung war den unterschiedlichen Mittelstandspolitiken in Europa und in ausgewählten Ländern der FCM gewidmet. Hierzu sprach zunächst der Generalsekretär der Union Européene de l’Artisanat et des Petites et Moyennes Entreprises, UAPME, Andrea Benassi, Brüssel. Er betonte, dass mittelständische Unternehmen gute Rechnungsleger brauchen, um sich die Chance zu eröffnen, ausreichende und günstige Kredite zu erlangen und um davor geschützt zu sein, übermäßige, dem Gesetz nach gar nicht geschuldete Steuern zu zahlen. Ausdrücklich lobte Benassi die enge und gute Zusammenarbeit der UAPME mit dem DStV und der EFAA.

In einem darauffolgenden Referat schilderte zunächst Bora Topaloglu, Vertreter des türkischen Finanzministeriums, wie sich die Rechnungslegung in seinem Land in den vergangenen Jahren entwickelt hat und welchen Weg man sich für die Zukunft vorstelle. Steuerrechtliche Bilanzierungsvorschriften gebe es in der Türkei seit 1950, handelsrechtliche seit 1956. Zwar gebe es seit 2002 bzw. 2010 auch Übersetzungen der IFRS und der IFRS for SME in seinem Land, aufgrund der Vorbereitung eines neuen türkischen Handelsgesetzbuchs mit eigenen Rechnungslegungsvorschriften für das Jahr 2013 sei deren Anwendung aber faktisch zur Zeit gebremst. Es werde aber wohl auch zukünftig die Möglichkeit geben, sich in der Türkei der IFRS und der IFRS for SME zu bedienen.

Als Vertreterin der marokkanischen Wirtschaftsförderungsagentur berichtete Frau Latifa Chihabi über die sich wandelnde Rolle des Staates bei der Unterstützung kleiner und mittlerer Unternehmen in ihrem Land.

Abschließend dankten der amtierende Präsident der FCM, Nino Hadjirousos, und deren designierter Präsident Samir Agoumi aus Marokko den Referenten und Teilnehmern der Veranstaltung und brachten die Hoffnung zum Ausdruck, dass man auch zukünftig gemeinsam noch vieles erreichen werde, um die Wettbewerbsfähigkeit kleiner und mittlerer Unternehmen zu heben und so die Wohlfahrt der Länder zu fördern.