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DStV-Stellungnahme B 01/14: Anhörung zur vorgesehenen Neufassung der Berufssatzung

B 01/14 | 31.01.2014

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Sehr geehrte Damen und Herren,

wir danken für die Möglichkeit, dass sich der Deutsche Steuerberaterverband e.V., Verband der steuerberatenden und wirtschaftsprüfenden Berufe (DStV) zur Neufassung der Berufssatzung der Wirtschaftsprüfer äußern kann. Der DStV vertritt in seinen Mitgliedsverbänden die Interessen von über 7.000 Angehörigen der prüfenden Berufe und nimmt daher diese Möglichkeit gern war.

Möglichkeiten zur Skalierung bei der Berufsausübung

Wir halten es für sinnvoll, dass die Anforderungen an die Berufsausübung sich sowohl in der Kanzleiorganisation als auch in der Auftragsbearbeitung an den in der Kanzlei zu erfüllenden Aufträgen orientieren. Dieser Grundsatz findet sich unseres Erachtens auch in dem Großteil der Regelungen wieder. Insbesondere die Regelungen zur Einrichtung des Qualitätssicherungssystems (§16 BS-E) lassen der Einschätzung der Praxisleitung einen hinreichenden Entscheidungsspielraum. Unklar ist jedoch, ob bereits die Prüfung eines einzigen sog. § 319a-Mandats zu insgesamt erheblich verschärften Anforderungen an das Qualitätssicherungssystem führt oder ob auch hier die Anforderungen in Abhängigkeit von Zahl und Komplexität der Prüfungen steigen. Dies geht aus den Erläuterungen zu § 16 Abs. 3 nicht eindeutig hervor. Wir regen daher eine Klarstellung in den Erläuterungen an.


Weiterhin sind wir der Ansicht, dass die Regelungen zur Mitzeichnung und der Berichtskritik in § 41 BS-E den Bedürfnissen von kleinen Praxen grundsätzlich Rechnung tragen.
Gleichwohl ist klarzustellen, dass die Einbindung eines „Mitunterzeichners“ bezogen auf den Auftragsverantwortlichen WP/vBP, nicht zu einer Funktions- und Aufgabenverdopplung führen darf. Vielmehr müssen bei einer zweckmäßigen Arbeitsteilung abgestufte Verantwortlichkeiten von Mitunterzeichner und auftragsverantwortlichem WP/vBP im Rahmen der pflichtgemäßen Berufsausübung möglich sein.
Auch geben wir zu bedenken, dass insbesondere bei Nicht-§319a-Mandaten eine zu restriktive Forderung nach Prozessunabhängigkeit des auftragsbegleitenden Qualitätssicherers zu Akzeptanzproblemen in der Praxis führen kann.

Regelungen zur Mindeststundenzahl, § 39 BS-E

Der DStV ist ebenfalls der Ansicht, dass dem fortgeschrittenen und weiter zunehmenden Preisdruck und dem unverändert anhaltenden Konzentrationsprozess im Bereich der Prüfungsdienstleistungen Einhalt geboten werden muss. Ein nicht auskömmliches oder nur in Verbindung mit weiteren Aufträgen desselben Mandanten kostendeckendes Prüferhonorar (Quersubventionierung) gefährdet nicht nur die Prüfungsqualität aufgrund geringerer Stundenleistung im Rahmen der Prüfung, sondern auch die Unabhängigkeit des Wirtschaftsprüfers.
Nur auf den ersten Blick birgt die Regelung die Chance einer Verbesserung der Prüfungsqualität. Die in einigen Fällen gebotene Abweichung nach unten ist durch die Neufassung der Berufssatzung umgesetzt. Die Prüfungsqualität wird jedoch in stärkerem Maße durch den risikoadäquaten Prüfungsansatz und die eingesetzten Mitarbeiter mitbeeinflusst. Wir geben zu bedenken, dass gerade in kleinen und mittelgroßen Kanzleien aufgrund der Mandats- und Personalkontinuität bei gleichzeitig hoher Qualifikation der häufig langjährig eingesetzten Mitarbeiter besondere Kenntnisse des Unternehmens und der Risikosituation entwickelt werden, die eine erhöhte Prüfungseffektivität hervorrufen. Oft können in diesem Bereich die Prüfungen mit geringerem Zeitaufwand als in der Berufssatzung vorgesehen durchgeführt werden. Eine niedrigere Stundenzahl kann sich weiterhin aus der Risikoeinschätzung des verantwortlichen Wirtschaftsprüfers ergeben. Darüber hinaus geben wir zu bedenken, dass allein durch die Einführung einer Mindeststundenzahl für Prüfungsaufträge bei Außerachtlassung von Mindeststundensätzen nicht auskömmliche Prüfungshonorare nicht grundsätzlich verhindert werden können. Ein niedriges Gesamthonorar kann beispielsweise auch durch Ansatz geringerer Stundensätze angeboten werden. Wir regen an, eine Regelung zu implementieren, die neben der Erhöhung der Prüfungsqualität auch die Unabhängigkeit des Wirtschaftsprüfers fördert.

Die Regelung in § 39 Abs. 7 sieht vor, dass bei gesetzlichen Abschlussprüfungen der von Wirtschaftsprüfern (oder vereidigten Buchprüfern bei der Prüfung mittelgroßer Gesellschaften) zu erbringende Zeitaufwand 20 % der gesamten für den Prüfungsauftrag aufgewendeten Zeit betragen muss. Der DStV ist der Ansicht, dass ein höherer Zeitanteil von Berufsträgern geeignet ist, die Prüfungsqualität zu erhöhen. Die Grenze von 20% ist jedoch nicht selbsterklärend und sollte in den Erläuterungen begründet werden. Wir geben zu bedenken, dass diese Regelung in einigen Fällen zu einer Benachteiligung von Berufskollegen in einer Einzelpraxis führen kann, da dort in Belastungsspitzen keine Verteilung auf weitere Berufsträger möglich ist. Anders als in den Erläuterungen zu § 39 Abs. 6 BS-E sind hier keine Beispiele zu begründeten Abweichungen nach unten zu finden. Klarstellend sollten für diese Berufskollegen weitere Erläuterungen aufgenommen werden.

Für Rückfragen stehen wir Ihnen gern zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

gez. WP/StB Harald Elster
(Präsident)

gez. WP/StB Gero Hagemeister
(Arbeitskreis Rechnungslegung
und Prüfung)

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