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Der DStV-Geschäftsbericht 2015 ist da!

DStV-Newsticker Prüfende Berufe 2/15




VERÄNDERUNGEN IN DER QUALITÄTSKONTROLLE – LOHNT SICH EIN VORZIEHEN DES PEER REVIEW?



Der Bundestag hat am 03.12.2015 das Abschlussprüferaufsichtsreformgesetz (APAReG) in zweiter und dritter Lesung beschlossen. Das APAReG setzt die aufsichts- und berufsrechtlichen Vorschriften aus der am 16.06.2014 in Kraft getreten EU-Reform der Abschlussprüfung um und wird am 17.06.2016 in Kraft treten.

Das APAReG sieht wesentliche Änderungen in der Qualitätskontrolle (QK) der Praxen von WPs und vBPs vor, die im Folgenden kurz beschrieben werden sollen. Viele Berufsangehörige, die bereits Pflichtprüfungen vornehmen und keine Unternehmen von öffentlichem Interesse (sog. NON-PIE) prüfen, fragen sich: Ist das Vorziehen der externen QK, der sog. Peer Review, sinnvoll?
Zunächst einmal verbleibt die Aufsicht über die Prüfer für Qualitätskontrolle (PfQK) bei der Kommission für Qualitätskontrolle (KfQK) und damit in der Selbstverwaltung. Die ursprünglich vorgesehene Aufsicht über die PfQK durch die Inspektoren der öffentlichen Aufsicht ist aus dem APAReG gestrichen worden, was grundsätzlich zu begrüßen ist.

Das APAReG sieht vor, dass die Teilnahmebescheinigung bzw. Ausnahmegenehmigung abgeschafft und durch ein Registrierungsverfahren bei der Wirtschaftsprüferkammer (WPK) ersetzt werden. Die Anzeige zur Registrierung bei der WPK muss nun spätestens zwei Wochen nach der Annahme des ersten Auftrages zur Durchführung einer gesetzlichen Abschlussprüfung erfolgen. Berufsangehörige, die zum 17.06.2016 über eine wirksame Teilnahmebescheinigung bzw. Ausnahmegenehmigung verfügen, werden von der WPK automatisch als „gesetzlicher Abschlussprüfer“ registriert.

Bei Praxen, die keine PIE prüfen, bleibt es grundsätzlich bei dem sechsjährigen Kontrollzyklus, die Auswahl durch die KfQK erfolgt zukünftig jedoch stärker risikobasiert, insbesondere auf der Grundlage der mit der Anzeige zur Registrierung übermittelten Informationen und den Informationen aus dem letzten QK-Bericht des PfQK. Das Prozedere der Auswahl der PfQK durch die zu prüfende Praxis bleibt im Wesentlichen unverändert, die WPK kann jedoch die vorgeschlagenen PfQK ablehnen. Dies wird jedoch ausschließlich im Fall von Ausschließungsgründen, bspw. bei mangelnder Unabhängigkeit von der zu prüfenden Praxis, erfolgen können; Raum für Willkür ist im Verwaltungsverfahren nicht gegeben.

Berufsangehörige, die bereits gesetzliche Abschlussprüfungen durchführen oder zukünftig erstmalig durchführen wollen, können nun entscheiden, ob sie den Beginn der QK vor den 17.06.2016 vorziehen oder die QK im Regime des APAReG durchführen lassen. Der Kontrollzyklus wird durch das APAReG nicht verkürzt. Eine Ausnahme besteht für WPs und vBPs, die am 16.06.2016 über eine bis zum 31.07.2017 befristete Teilnahmebescheinigung bzw. Ausnahmegenehmigung verfügen: Diese Kolleginnen und Kollegen haben ohne gesonderte Aufforderung bis zum 31.07.2017 eine QK durchführen zulassen.

Wie bisher hat der PfQK die Angemessenheit und die Wirksamkeit des Qualitätssicherungssystems (QSS) zu prüfen. Bei der Beurteilung der Wirksamkeit prüft der PfQK die einzelnen Auftragsabwicklungen i.d.R. anhand von Stichproben. Bislang hat der PfQK dabei alle betriebswirtschaftlichen Prüfungen einbezogen, bei denen das Siegel geführt wird oder zu führen ist. Gemäß APAReG umfasst die Wirksamkeitsprüfung nur noch die gesetzlichen Abschlussprüfungen und die von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht(BaFin) beauftragten betriebswirtschaftlichen Prüfungen, was i.d.R. eine Erleichterung für die zu prüfende Praxis darstellt.

In seinem QK-Bericht allerdings hat der PfQK zukünftig ausführlicher die Ausgestaltung des QSS in der zu prüfenden Praxis zu beschreiben und außerdem das QSS insofern präziser zu beurteilen, ob das System mit hinreichender Sicherheit die ordnungsgemäße Abwicklung von Abschlussprüfungen gewährleistet. Darüber hinaus hat der PfQK in seinem Bericht die Skalierung der QK-Prüfung im Hinblick zumindest auf die Art und Anzahl der Mandate sowie der Größe der zu prüfenden Praxis zu präzisieren. Der damit insgesamt verbundene Mehraufwand wird tendenziell wohl zu einer Verteuerung der QK-Prüfungen führen.

Bislang gab der PfQK bei Beendigung seiner Prüfung ein positives Gesamturteil über das QSS ab. Zukünftig wird es ein Gesamturteil im Sinne einer Negativerklärung geben („… keine Sachverhalte bekannt geworden, die für die Annahme sprechen, dass das QSS der Praxis nicht im Einklang mit gesetzlichen oder satzungsmäßigen Anforderungen steht.“). Dies wird tendenziell zu einer Erleichterung bei der Durchführung der QK-Prüfung führen.

Eine weitere wesentliche Änderung sieht das APAReG bei der Trennung von externer QK und Berufsaufsicht vor. Bislang durften Erkenntnisse aus der QK-Prüfung nicht zu einem berufsaufsichtsrechtlichen Verfahren durch die WPK führen, die sog. Firewall. Künftig entfällt die Firewall, was für die zu prüfende Praxis eine nicht unerhebliche Verschärfung darstellt.

Das schlussendlich zu ziehende FAZIT richtet sich nach den persönlichen Umständen: Berufsangehörige, die das Berufssiegel nahezu ausschließlich bei gesetzlichen Abschlussprüfungen verwenden und die Aufhebung der Firewall mit der damit verbundenen Gefahr von berufsaufsichtsrechtlichen Verfahren ablehnen, sollten die QK-Prüfung vorziehen. Hierdurch wird ein neuer Kontrollzyklus begonnen. Dagegen sollten WPs und vBPs, die neben gesetzlichen Abschlussprüfungen auch vermehrt andere betriebswirtschaftliche Prüfungen siegeln und die tendenziell zunehmende Bürokratisierung der QK ebenso wie die entfallende Firewall in Kauf nehmen, die QK nicht vorziehen. So kann der laufende Kontrollzyklus voll ausgenutzt werden. Als Nebeneffekt verringert sich die Anzahl der Aufträge, die in die QK einbezogen werden können.

WP/StB Christian Witte, PfQK
Dortmund


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