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EU-Kommission greift nach der Vorbehaltsaufgabe der Steuerberater

Interessante Veranstaltung zum Kanzleimanagement

Am 27. und 28.9.2018 fand in Berlin das mit 260 Teilnehmern gut besuchte 7. NWB Steuerberater-Forum Kanzleierfolg statt. Für den DStV nahm dessen Hauptgeschäftsführer RA/FAStR Prof. Dr. Axel Pestke daran teil.

Angestrebtes Ziel der Veranstaltungsreihe ist es nach den Worten von NWB-Geschäftsführer Dr. Felix Friedländer, die teilnehmenden Steuerberater darin zu unterstützen, den digitalen Wandel zu bewältigen. Moderiert wurde das Forum von StB Stephan Weigelt, der beim 41. Deutschen Steuerberatertag 2018 auch an dem Workshop „Kanzleien im Dialog“ zu Fragen des Kanzleimanagements mitwirkte.

Den Eröffnungsvortrag hielt der Innovationsexperte Gerriet Danz. Innovationen haben aus seiner Sicht allgemein und auch im Bereich der Digitalisierung vor allem den Zweck, den Mandanten zufrieden, ja „glücklich“ zu machen, und ihn durch „magische Momente“ an die Kanzlei zu binden. Das Wesen der Innovation bestehe dabei in der ungewöhnlichen Verknüpfung von Dingen, die bisher nicht miteinander verknüpft wurden. Hierdurch würden Probleme regelmäßig anders, d. h. besser gelöst, als ohne eine solche neuartige Verknüpfung, sprich Innovation.

StB Volker Mühl, der auch Fachberater für Sanierung und Insolvenzverwaltung (DStV e.V.) ist, stellte sodann eine Methode vor, mit der Steuerberatungskanzleien neue Geschäftsmodelle entwickeln können. Diese Methode trägt den Namen FutureRoom-Methode und stellt eine Alternative zum sog. Desing Thinking dar, wie es z. B. auf dem Deutschen Steuerberatertag 2018 in Bonn in verschiedenen Veranstaltungsformaten behandelt wurde. „Zukunft ist kein Zufall. Sie ist das Ergebnis unserer eigenen Entscheidungen“ zitierte der Vortragende einen Ausspruch des Trend- und Zukunftsforschers Harry Gatterer.

StB Tobias Meschede sprach sodann zum Thema „Digitale Prozessberatung beim Mandanten: Umsetzung, Wertschöpfung, Vermarktung“ und zeigte den Teilnehmern Wege auf, sich selbst als Digital-Coaches ihrer mittelständischen Mandanten zu etablieren. Steuerberater sollten verstärkt „digitale Lösungspartner“ ihrer Mandanten sein. Um dies zu erreichen, sei es notwendig, sich selbst Kenntnisse im Bereich der Digitalisierung anzueignen. Das müssten zwar keine Programmierkenntnisse im engeren Sinne sein, wohl aber müsse ein Grundverständnis für digitale Zusammenhänge aufgebaut werden. Projektsteuerung und Kommunikation seien dann die wesentlichen Grundpfeiler eines solchen Angebots. Spezifische IT-Problematiken könnten mithilfe von Systempartnern oder anderen externen IT-Experten gelöst werden. Um eine solche Digitalisierungsstrategie ins Werk zu setzen, empfahl Meschede, bei jedem Mandantengespräch ein aktuelles IT-Thema anzusprechen und sich so als digitale Kanzlei zu profilieren.

Sehr unterschiedliche Auffassungen über die Bedeutung der Digitalisierung im steuerberatenden Bereich traten dann im Rahmen einer Diskussionsrunde zu Tage, die sich mit der Zukunft des steuerberatenden Berufs angesichts von Digitalisierung und Automatisierung befasste. Mit einem kurzen Film wurde in die Thematik eingeführt. Leit-Thesen waren, dass es in fünf Jahren keine traditionellen Buchführungsarbeiten mehr geben werde und dass sich die Zahl der Berufsangehörigen in 10 Jahren um die Hälfte und in 15 Jahren auf 15 % des heutigen Bestands reduziert haben werde. StB Dr. Holger Bittrich sah große Herausforderungen auf den steuerberatenden Beruf zukommen, weil es viele Konkurrenzanbieter mit günstigen Preisen geben werde. Andere, so z. B. StBin Sandra Röhn und StB Hans-Jörg Lategahn, betonten die Notwendigkeit, dass sich Steuerberater zukünftig stärker mit Beratungsaufgaben befassen, sahen hierin aber auch eine Chance für den Berufstand. Wieder anders argumentierte StB Mario Tutas, der die Auffassung vertrat, Digitalisierung sei in Grunde nur eine technische Randerscheinung, eine reine Arbeitserleichterung, die den Berater nicht von seiner eigentlichen Funktion als Gestaltungsberater ablenken dürfe. Dem hielten StB Dr. Holger Bittrich, StB/WP Dr. Florian Lang, StB Hans-Jörg Lategahn und StBin Sandra Röhn allerdings entgegen, dass Mandantenberatung nur aufgrund guter und schnell zur Verfügung stehender Daten nutzbringend stattfinden könne. Deshalb müssten sich Steuerberater intensiv darum bemühen, weiterhin die Daten ihrer Mandanten zur Verfügung zu haben, sie zeitnah und fachlich intensiv zu analysieren und hieraus gute Handlungsempfehlungen für ihre Mandanten abzuleiten. Dies erfordere nicht nur eine andere Herangehensweise – zukunftsgerichteter als in der Vergangenheit , sondern mache auch eine intensivere Fortbildung für Berufsträger und Mitarbeiter und zusätzliche Skills auf dem Gebiet der IT erforderlich. Dr. Florian Lang brachte es auf den Punkt: er verweigere sich den apokalyptischen Sichtweisen, wonach Steuerberatern eine düstere Zukunft bevorstehe, sehe aber die Notwendigkeit, neue Skillsets zu entwickeln. Angesichts einer zunehmenden Automatisierung werde der menschliche Faktor seiner Ansicht nach immer wichtiger. Dies setze vor allem auch soziale Kompetenz voraus.

Ein weiterer Vortrag war dann dem Thema „Lean Management“ gewidmet. Unternehmensberater Ingo Körner stellte Wege vor, Kanzleiprozesse zu verschlanken und dadurch die Effizienz der Kanzlei zu steigern. „Arbeit dehnt sich in dem Maße aus, wie Zeit dafür zur Verfügung steht“, war sein Credo.

Um „Agiles Projektmanagement im Kanzleieinsatz“ ging es anschließend in einem Vortrag von StB/FBIStR Jan Meyer-Sievers. Darin beschrieb er, wie man vorhandene Mandantenwünsche erkennen und in Mitarbeiter-Workshops Lösungen hierfür finden kann. Im Rahmen des Programms „UnternehmensWert: Mensch plus“ stünden auch Fördermittel für derartige Projekte zur Verfügung.

Unter dem Motto „Innovative Organisationsformen: Die Kanzleistruktur dem Wandel anpassen“ stellte sodann StB Altan Günsoy bisher üblichen Kanzleistrukturen ein von ihm entwickeltes Alternativmodell gegenüber, welches den Mitarbeitern erhebliche Freiräume bei der Organisation ihrer Arbeit lasse. Das Modell stehe nicht im Konflikt zur Eigenverantwortlichkeit der Kanzleileitung. Es beruhe u.a. auf der Beobachtung, dass sich die Mitarbeiter-Mentalität stark verändert habe. Während die Genration X noch von dem Gedanken des „Schaffe, schaffe, Häusle baue“ geprägt gewesen sei, wobei der Aspekt der persönlichen Entfaltung der Mitarbeiter noch nicht im Vordergrund gestanden habe, komme es der Generation Y und den Digital Natives sehr viel mehr auf selbstbestimmtes Arbeiten an. Hier habe ein Wertewandel stattgefunden.

Mut zum Wandel machte ein Vortrag von StB Michael Arndt, der über Wege zu automatisierten Prozessen und papierlosem Büro berichtete. Beruhend auf dem Gedanken des Qualitätsmanagements habe seine Kanzlei Change-Management betrieben und z.B. anstelle analoger Arbeitsakten digitale Arbeitsakten eingeführt.

Neben weiteren Vorträgen zur Honorargestaltung, zur digitalen Kommunikation mit den Mandanten, zur Teambildung innerhalb einer Kanzlei und zu den zukünftigen Anforderungen an Mitarbeiter und Führungskräfte bot die Veranstaltung viel Gelegenheit zum Meinungs- und Erfahrungsaustausch und gab zahlreiche Anregungen für die Reflexion der eigenen Arbeit mit Blick auf Fragen der Kanzleistrategie und des Kanzleimanagements.


Stand: 12.10.2018