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EU-Kommission greift nach der Vorbehaltsaufgabe der Steuerberater

41. Deutscher Steuerberatertag – ERFOLG GEMEINSAM STEUERN

Unter dem Motto „Erfolg Gemeinsam Steuern“ fand vom 7. bis 9.10.2018 der nunmehr 41. Deutsche Steuerberatertag im World Conference Center Bonn (WCCB) statt. Zweieinhalb Tage gefüllt mit einem faszinierenden, abwechslungsreichen Fachprogramm, begleitenden Rahmenveranstaltungen und einer innovativen Fachausstellung. Das WCCB bot ideale Rahmenbedingungen: ein heller und freundlicher Veranstaltungsort, der bei bestem Wetter den optimalen Rahmen für das Branchentreffen stellte. Über 1.500 Steuerberater, Kanzleiangestellte, Experten aus Wissenschaft und Gerichtsbarkeit, Dienstleister, Start-ups und Vertreter von Politik und Finanzverwaltung trafen sich in Bonn zur wohl innovativsten Veranstaltung des Berufsstandes.

Golf bei Kaiserwetter
Den Auftakt gab bereits am Samstag der Zweite Deutsche Steuerberatertag-Cup im Golf Club Rhein-Sieg. Hier trafen sich 41 Kolleginnen und Kollegen zum sportlichen Wettstreit. Das Turnier begann mit Kanonenstart um 12:00 Uhr und fand in unbeschwerter Atmosphäre bei Traumwetter statt. Beim abendlichen Dinner in der Club Gastronomie wurden die Sieger geehrt – wir gratulieren!

Bonn neu entdecken
Am Sonntag konnte die ehemalige Bundeshauptstadt per Bus erkundet werden. Höhepunkt der Stadtrundfahrt war ein exklusives Klavierkonzert im Beethovenhaus, das Geburts- und Wohnhaus des großen Künstlers der Stadt.

Übergabe der Spende beim Empfang im Kameha Grand/ Bildnachweis: DStV/Ecke & Schweizer
Froh gestimmt trafen die Gäste dann zum festlichen Empfang im beeindruckenden KAMEHA Dome mit einem wundervollen Blick auf den Rhein ein. Dort begrüßte der Präsident des Deutschen Steuerberaterverbandes WP/StB Harald Elster die Gäste. Ihm war es an diesem Abend eine große Freude, einen Spendenscheck in Höhe von 5.237 € überreichen zu dürfen an die „Forschungsstelle Besteuerung und Automation“ der Fakultät für Wirtschafts- und Rechtswissenschaften der Technischen Hochschule Köln. Die neue Forschungsstelle soll die Veränderungen durch die Digitalisierung für die Steuerberatung unter Einbezug aller betroffenen Gruppen mit innovativen Ideen positiv begleiten, mit gestalten und im Gemeinwohlinteresse optimieren.

Nach dem Empfang fanden sich die Gäste in vergnügter Stimmung in verschiedenen Restaurants zu Abenden ihrer regionalen Steuerberaterverbände zusammen.

Eröffnungsveranstaltung: Herausforderungen für Berufsstand, Finanzverwaltung und Gerichtsbarkeit
Während der Eröffnungsveranstaltung am Montagvormittag betonte Bundesfinanzminister Olaf Scholz in seinem via Videobotschaft übermittelten Grußwort, dass ihm das Motto „Erfolg gemeinsam steuern“ gut gefalle. Erfolg erzielt man seiner Auffassung nach, wenn es gelingt, zwei Ziele miteinander zu verbinden: Ein gerechtes Steuersystem und eine gute Steuerpraxis. Gerecht werde eine Steuer nicht dadurch, dass genug Steuereinnahmen in die Staatskasse fließen, sondern wenn die Bürgerinnen und Bürger das Gefühl haben, dass es dabei auch gerecht zugehe. Der Bundesfinanzminister verwies darauf, dass niemand dafür Verständnis habe, wenn Einige versuchen, Steuern zu umgehen, zu verkürzen oder zu hinterziehen. Deshalb müssten alle den Teil leisten, zu dem sie verpflichtet seien. Die Steuerberaterschaft helfe, dass das Steuerrecht angewandt und durchgesetzt wird. Daher sei es wichtig, gemeinsam mit dem Berufsstand gegen Steuervermeidung und -hinterziehung anzugehen – auf nationaler, europäischer und internationaler Ebene. Einige wichtige Maßnahmen gegen Gewinnverlagerung und Steuerverkürzung seien in Deutschland bereits umgesetzt, die vorher die OECD angestoßen habe. Als aktuell bedeutsames Projekt hob Scholz das Gesetz gegen den Steuerbetrug beim Online-Handel hervor. Um dauerhaft erfolgreich zu sein, müsse gemeinsam vorgegangen werden. Deutschland habe hierfür eine hochqualifizierte Steuerberatung.

Eröffnung des 41. Deutschen Steuerberatertags in Bonn / Bildnachweis: DStV/Ecke & Schweizer




Grußworte des Finanzministers des Landes Nordrhein-Westalen, Lutz Lienenkämper / Bildnachweis: DStV/Ecke & Schweizer
Der Finanzminister des Landes Nordrhein-Westfalen, Lutz Lienenkämper, führte in seinem Grußwort aus, dass es im Steuerrecht leider keine einfachen Patentrezepte gebe. Es müssten stattdessen dicke Bretter gebohrt werden. Eine Lösung der Probleme passe deshalb in keine Twitter-Nachricht. Pragmatismus, Vereinfachungen und maßvolle Instrumente würden der Gestaltung eines fairen Steuersystems helfen. Als Beispiel führte Lienenkämper die Besteuerung von grenzüberschreitenden Sachverhalten an. Die Bestrebungen zur Einführung einer Digitalsteuer zeigten, dass Vorsicht vor zu einfachen Antworten geboten sei. Gut gemeint sei nicht immer gut gemacht, so sein Credo. Auch bei den geplanten Anzeigepflichten für Steuergestaltungen müsse der Wald vor lauter Bäumen noch gefunden werden. Wenn dabei Quantität die Qualität schlage, sei nichts gewonnen. Stattdessen müsse auf Zielgenauigkeit, Praxistauglichkeit und den Schutz vor überbordender Bürokratie geachtet werden. Lienenkämper brachte seine Überzeugung zum Ausdruck, dass Finanzverwaltung und Steuerberaterschaft untrennbar zusammen gehören. Angesichts seiner Fachkenntnisse und Praxiserfahrungen sei der Berufsstand der Steuerberater ein unverzichtbarer Gesprächspartner des Staates. Die bewährte Qualität des Dialogs müsse daher im Sinne des Interessenausgleichs und eines gemeinsamen Vorankommens fortgesetzt werden.

Grußworte des Vorsitzenden Richters am Bundesfinanzhof (BFH), Michael Wendt / Bildnachweis: DStV/Ecke & Schweizer
Michael Wendt, Vorsitzender Richter am Bundesfinanzhof (BFH), nutzte sein Grußwort, um die Verbundenheit der Finanzgerichtsbarkeit mit dem Berufsstand zum Ausdruck zu bringen. Des Weiteren ging er auf die historische Bedeutung der Rechtsstaatlichkeit insbesondere für den Rechtsschutz der Steuerpflichtigen vor den Finanzgerichten ein.

Der Reichsfinanzhof sei als Bollwerk des Rechtsschutzes vor staatlicher Gewalt geschaffen worden. Zu Zeiten des Nationalsozialismus sei es hingegen zu einer erschreckenden Durchdringung der Gerichte gekommen, bei der auch fachspezifische Steuervorschriften zur Diskriminierung missbraucht wurden. Eine umfassende Analyse der damaligen Verletzung der Gewaltenteilung müsse noch geschultert werden. Heute hingegen erkenne er, dass die Gewaltenteilung respektvoll ausgeübt werde und Kooperation den steuerlichen Bereich präge. Allerdings sehe er die Rechtssicherheit zunehmend in Gefahr. Die Rechtsklarheit von Normen und deren Bestimmbarkeit als Gebot der Vorhersehbarkeit seien in einem betrüblichen Zustand. Dieses rechtsstaatliche Defizit treffe den Berufsstand als Allererstes. Von einer gerechten Lastenverteilung ist man nach Ansicht von Wendt an dieser Stelle weit entfernt. Es bestehe erheblicher Handlungsbedarf, um einer weiteren Entfremdung von Staat und Bürger insoweit entgegenzuwirken.

DStV-Präsident Harald Elster bei der Eröffnung des Deutschen Steuerberatertags 2018 in Bonn/ Bildnachweis: DStV/Ecke & Schweizer
DStV-Präsident StB/WP Harald Elster forderte den Gesetzgeber und die Finanzverwaltung in seiner Ansprache auf, statt immer neue bürokratische Hürden praktikable und administrierbare Regelungen zu schaffen. Die Digitalisierung in den Fokus nehmend sah Elster beispielsweise in der Kommunikation mit den Finanzbehörden noch zu viele analoge Stolpersteine im Weg liegen. Damit sprach er die in der Praxis bestehenden Probleme beim Wechsel von der Belegvorlage- zur Belegvorhaltepflicht an. Solange eine medienbruchfreie Kommunikation noch nicht funktioniert, regte Elster eine bundesweite Regelung an, welche Unterlagen für ein reibungsloses Veranlagungsverfahren eingereicht werden sollten. Weitere Unsicherheiten im Kanzleialltag verursache die Datenschutzgrundverordnung. Im Fokus der Diskussionen: die sog. Auftragsverarbeitung. Steuerberater haben ihren Beruf unabhängig, eigenverantwortlich und gewissenhaft auszuüben. Sie können damit unmöglich Auftragsverarbeiter sein, so der DStV-Präsident. In steuerpolitischer Hinsicht mahnte Elster eine rechtssichere und unbürokratische Reform der Grundsteuer an. Auch bei den Planungen von Bund und Ländern zu den Anzeigepflichten für grenzüberschreitende und inländische Steuergestaltungen forderte er, dass der Gesetzgeber sich seiner Verantwortung für praktikable und administrierbare Gesetze bewusst werde. Statt sich einem Richtlinien-Umsetzungs-Exzess hinzugeben, müssten die EU-Vorgaben präzisiert und mit dem neuen Instrument erst einmal Erfahrungen gesammelt werden.

Mit der Einleitung eines Vertragsverletzungsverfahrens gegen Deutschland durch die EU-Kommission komme es „ganz dicke“. Damit stelle Brüssel die Vorbehaltsaufgaben des steuerberatenden Berufs grundsätzlich in Frage. Hiergegen müsste man sich argumentativ mit allen Mitteln zur Wehr setzen, bevor Europa dem Kern der steuerberatenden Tätigkeit und damit den Bürgern massiven Schaden zufüge. Um weiteres Unheil aus Brüssel zu stoppen, kündigte Elster an, die Präsenz des DStV dort zu verstärken.

Grußworte des Präsidenten der Kammer der Steuerberater und Wirtschaftsprüfer in Wien, StB Mag. Klaus Hübner/ Bildnachweis: DStV/Ecke & Schweizer
StB Mag. Klaus Hübner, Präsident der Kammer der Steuerberater und Wirtschaftsprüfer in Wien, zeigte in seinem Grußwort die Parallelen zwischen Österreich und Deutschland auf. Da auch in Österreich die Berufsstände reguliert seien, müsse bei dem Angriff der EU auf die Vorbehaltsaufgaben ein enger Schulterschluss gesucht werden. Ebenfalls plagten Herausforderungen wie der zunehmende Generalverdacht gegenüber Unternehmen und Beratern, die zunehmend härtere Gangart in Betriebsprüfungen und die Dokumentationspflichten aus der Geldwäscherichtlinie den österreichischen Kanzleilalltag. Hübner wünschte sich die Fortsetzung des guten Austausches mit dem DStV.  

Pressekonferenz
DStV-Präsident Elster, Vorsitzender Richter am BFH Wendt sowie DStV-Geschäftsführer StB/SyndikusRA Norman Peters erörterten während der Pressekonferenz intensiv die Themen der Eröffnungsveranstaltung.

Neue Horizonte
Neben dem stets hohen Niveau des Fachprogramms zu aktuellen steuerlichen Themen fanden in diesem Jahr zahlreiche Vorträge, Gesprächsrunden und Workshops zu Themen statt, die über das Berufsfeld der Steuerberatung hinausblickten. Mit einem fesselnden Vortrag entführte Prof. Dr.-Ing. Johann-Dietrich Wörner, Director General der Europäischen Raumfahrtagentur ESA, die Teilnehmer in die Welt der modernen Raumfahrt und verdeutlichte ihren Beitrag zur Lösung globaler Herausforderungen.

„10.000 Mandanten über YouTube - Wie ein Anwalt mit Story Telling zum Social Media Star wurde“ hieß eine Veranstaltung mit RA Christian Solmecke LL.M. Der Sitzungssaal war bis auf den letzten Platz besetzt, als er den Teilnehmern in einem lebhaften Vortrag Tipps und „Lessons Learned“ für einen erfolgreichen Online Auftritt aufzeigte. Der Experte stand nach dem Vortrag für eine „Meet The Expert“ - Sitzung für Fragen und Diskussionen zur Verfügung, was von vielen Teilnehmern, die sich mit dem Thema aktuell auseinander setzen, aktiv genutzt wurde

Interaktion
DStV-Hauptgeschäftsführer RA/FAStR Prof. Dr. Axel Pestke moderiert den Workshop
Mitmachen war angesagt! In Workshops wie „Kanzleien im Dialog“, „Mit Körpersprache und Stimme zu mehr Präsenz“ oder „Auch schwierigen Mandanten mit Humor und Eleganz begegnen“ wurde viel gelacht, hinterfragt, geübt und es wurden Erfahrungen ausgetauscht. In einer Gruppe mit Gleichgesinnten macht aktives Tun einfach mehr Spaß!

Innovation
Bereits vor der Eröffnungsveranstaltung moderierten DStV – Hauptgeschäftsführer RA/ FAStR Prof. Dr. Axel Pestke und DStV Geschäftsführer StB/SyndikusRA Norman Peters ein Newcomer Frühstück für diejenigen, die erstmals an einem Deutschen Steuerberatertag teilnahmen.

Viele Teilnehmer staunten auch über die umfangreiche und breit gefächerte Fachausstellung, die mit 1.400 m² einen neuen Rekord aufstellte und die größte Fachausstellung seit Bestehen der Deutschen Steuerberatertage war. In den ausgedehnten Pausen zwischen den Fachvorträgen konnte man mit Ausstellern und anderen Teilnehmern ins Gespräch kommen, neue Anbieter und alte Bekannte treffen und sich über die Neuheiten auf dem Markt informieren.

Die Fachausstellung beim 41. Deutschen Steuerberatertag/ Bildnachweis: DStV/Ecke & Schweizer


Mit dem „Expo Forum“ ist nun auch eine offene Bühne innerhalb der Fachausstellung entstanden, auf der sowohl Fachvorträge gehalten wurden, als auch eine Plattform für Fachaussteller geschaffen wurde, auf der sie neueste Entwicklungen präsentieren konnten. So trugen bei einem Praxisfrühstück am Dienstag verschiedene Aussteller im Pecha Kucha Format ihre Lösungen und Angebote vor.

Galadinner in der „La Redoute“
Galadinner in der La Redoute/ Bildnachweis: DStV/Ecke & Schweizer
Klassik, Geschichte und ein einmaliges 5-Gang Menü mit herausragender Weinbegleitung erwartete die Gäste des Galadinners in dem Schlösschen „La Redoute“ in Bad Godesberg. Über 200 Gäste genossen den festlichen Abend in den historischen Räumen des geschichtsträchtigen Hauses, einer der schönsten und besten Adressen im Bonner Raum.






Party im BaseCamp
Party im Base Camp/ Bildnachweis: DStV/Ecke & Schweizer
Feiern zwischen historischen Wohnwagen, amerikanischen Airstreams und Original-Schlafwagen der Deutschen Bahn – das passiert nicht oft.
Nach einem kulinarischen Auftakt an verschiedensten Buffets drinnen und draußen, wurde bis 2:00 Uhr morgens ausgelassen zur Musik von DJ Noppe getanzt und gefeiert. Highlight des Abends war der Auftritt unseres Lieblingssaxofonisten Lucas und des Perkussionisten Valerio, die die Menge erneut zum Toben brachten.


Bis zum nächsten Mal!
Der 42. Deutsche Steuerberatertag findet vom 20. – 22.10.2019 im Maritim Hotel Berlin statt. Wir freuen uns auf Sie! Lassen Sie sich überraschen!



Stand: 15.10.2018