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EFAA-Konferenz zur Digitalen Transformation - „Wir alle müssen Technologiefirmen werden“

EFAA-Konferenz zur Digitalen Transformation - „Wir alle müssen Technologiefirmen werden“
EFAA-Präsident Bodo Richardt eröffnet die Konferenz


Blockchain, künstliche Intelligenz (KI), Datenanalyse – wozu sind diese Technologien heute in der Lage, wie verändern sie unsere Wirtschaft und Gesellschaft und was bedeutet all dies für kleine und mittlere Steuerberater- und Wirtschaftsprüfer-Gesellschaften? Diese zukunftsweisenden Fragen bestimmten die Vorträge und Diskussionen der „EFAA International Conference – Digital Transformation of SMEs“ am 21.6.2018 in Brüssel. Hierzu lud die European Federation of Accountants and Auditors for SMEs (EFAA) international anerkannte Experten, Vertreter der Europäischen Kommission und Repräsentanten ihrer 17 Mitgliedsorganisationen in die Hauptstadt Europas ein.

In seiner Eröffnungsrede vor den zirka 90 Teilnehmern betonte EFAA-Präsident StB/WP Bodo Richardt die Bedeutung des Themas Digitalisierung für die Zukunft des Berufsstandes. Er hoffe, dass die Konferenz zu mehr Chancen- und Problembewusstsein unter den Berufsangehörigen beitrage. Dementsprechend befassten sich die drei Panels der Konferenz mit „Digitalen Technologien“, „Gesellschaftlichen und Politischen Auswirkung der Digitalisierung“ und dem „Digitalen Berufsträger“.

Leon Katsnelson von IBM über die Potentiale künstlicher Intelligenz


Digitale Technologien

Noel de Rudder, Technologieexperte des Belgischen Instituts für Rechnungslegung und Steuerberatung (IEC-IAB) und Mitglied der EFAA-Arbeitsgruppe Digitalisierung, moderierte das erste Panel der Konferenz.

Zunächst sensibilisierte Leon Katsnelson, Direktor und Chief Technology Officier der IBM Digital Business Group, die Zuhörer mit seinem Vortrag für das ungeheure Potential künstlicher Intelligenz. Er verwies dabei auf die besonders großen Chancen in den Bereichen Steueroptimierung und Wirtschaftsprüfung, die sich gerade für kleinere Kanzleien ergäben. Diese könnten seiner Meinung nach mit der Hilfe von Dienstleistern viel schneller auf die neuen Möglichkeiten des Machine Learning und der künstlichen Intelligenz reagieren, als große Unternehmen.

Narayanan Vaidyanathan, Head of Technology Insight der Association of Chartered Certified Accountants (ACCA) zeigte die zunehmende Bedeutung der Blockchain Technologie und ihrer Anwendungen, etwa im Rahmen von Initial Coin Offerings (ICOs), auf. Durch den Verkauf eigener digitaler „Coins“ sei eine neue Methode des Crowdfunding entstanden. Der Käufer erwirbt dabei keine Unternehmensanteile sondern lediglich – ähnlich einem Gutschein – das Recht auf den Bezug einer künftigen Leistung. Herr Vaidyanathan unterstrich besonders die wichtige Unterscheidung zwischen Coins, die in Folge des ICO wie Wertpapiere auf einem Sekundärmarkt gehandelt werden, und Coins die lediglich als Gutscheine fungierten. Je nachdem, welche Variante einträte, müssten Coins ggf. rechtlich wie Wertpapiere behandelt werden.

Letzter Redner des ersten Panels war Marco Lourenco, Leiter der Cybersicherheit Analysten der European Network and Information Security Agency (ENISA). Er stellte die Entwicklung der Bedrohungslagen im Cyberraum, wie Identitätsdiebstahl und Malewareangriffe, anhand des jährlichen „ENISA Threat Landscape Report“ vor. Herr Lourenco betonte, dass gerade für kleine und mittlere Kanzleien ein Cybersicherheitskonzept und die kontinuierliche Schulung der Mitarbeiter von größter Wichtigkeit seien.

Das zweite Panel befasste sich mit den gesellschaftlichen und sozialen Auswirkungen der Digitalisierung


Gesellschaftliche und politische Auswirkungen der Digitalisierung

Auf dem zweiten Panel unter der Leitung von EFAA-Präsident Bodo Richardt wendete sich die Konferenz den gesamtwirtschaftlichen und gesellschaftlichen Auswirkungen der Digitalisierung zu.

Maximilian Strotmann, Mitglied des Kabinetts von Kommissionsvizepräsident Andrus Ansip, gab Einblick in die Pläne der Europäischen Kommission zum digitalen Binnenmarkt. Digitale Dienstleistungen sollen unionsweit fugenlos verfügbar gemacht werden und Ansätze wie eine staatlich abgesicherte elektronische Identität neue Spielräume für digitale Dienstleistungen auch durch Steuerberater und Wirtschaftsprüfer bieten.

Auch die berufspolitische Reaktion auf die Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung war ein wichtiger Teil der Diskussionen. Daniël Maes, Leiter des Bildungsreferates des belgischen IEC-IAB, stellte die Aktivitäten seines Instituts für die Unterstützung gerade kleiner und mittlerer Kanzleien im Bereich Digitalisierung vor. Hierfür sorgt insbesondere eine Arbeitsgruppe für Digitalisierung, die für die Verbreitung relevanter Inhalte und permanenten Wissensaustausch zuständig ist.

Auch Vijay Kumar, Mitglied des Rates des Indischen Institute of Chartered Accountants (ICAI), beleuchtete die Digitalisierung aus Sicht des Berufsstandes. Sein radikales Plädoyer, nachdem „alle Kanzleien als Technologieunternehmen wiedergeboren werden“ müssten, sorgte dabei für viel Aufmerksamkeit.

Der digitale Berufsträger

Das dritte und letzte Panel wandte sich schließlich dem Steuerberater und Wirtschaftsprüfer als „Digital Professional“ zu. Martin de Bie, Digitalisierungsexperte der mittelständischen niederländischen „216 Accountants“ und Leiter des Arbeitskreises Digitalisierung der EFAA, trat als Moderator auf.

Dabei gab zunächst Veronique Willems, Generalsekretärin des europäischen Mittelstandsverbandes UEAPME Einblicke in die veränderten Realitäten und Erwartungen mittelständischer Kunden. Onlinehandel und die unmittelbare Verfügbarkeit aussagekräftiger Daten gewännen zunehmend an Bedeutung.

Michael Cerami, Vizepräsident des American Institute of Certified Accountants (AICPA) beleuchtete die Transformation des amerikanischen Berufsstands. Die Verarbeitung von Rechungen, Ausgaben und Bestellungen sei mittlerweile weitestgehend automatisiert - auch in kleinen und mittleren Unternehmen. Erfolgreiche Kanzleien verlagerten ihr Geschäft und spezialisierten sich auf Beratung und Stragie. Damit schauten sie in die Zukunft ihrer Kunden, anstatt wie bislang vor allem deren Vergangenheit zu behandeln.

Über den digitalen Wirtschaftsprüfer wusste Angelique Koopman, Partnerin für Audit Innovation bei Ernst & Young (EY) zu berichten. Prüfungen würden demnach bereits heute weitestgehend modellgestützt durchgeführt, die Rolle des Wirtschaftsprüfers verlagere sich hin zum Mandanten.

Einer der Innovatoren in der Automatisierung von Finanzdienstleistungen bildete denn auch den Abschluss der Konferenz: Griffin Anderson, Gründer von Balanc3. Die Firma Balanc3 überwacht und automatisiert blockchain-basierte Transaktionen. Ihre Software ist in der Lage, in einer Blockchain gespeicherte Daten automatisch in gängige Formate zu übertragen, die für die Erfüllung von Berichtspflichten nötig sind.

AICPA-Vizepräsident Michael Cerami und Leiter der EFAA-Arbeitsgruppe Digitalisierung Martin de Bie diskutieren den „digitalen Berufsträger“


Neben den Panelvorträgen wirkte die Konferenz als Forum für den Austausch berufspolitischer Vertreter aus ganz Europa. Für den DStV nahmen DStI-Vizepräsident und DStV-Vorstandsmitglied StB Torsten Lüth und DStV-Vizepräsident StB/WP Marcus Tuschen, der auch Vorstandsmitglied der EFAA ist, sowie Hauptgeschäftsführer RA/FAStR Prof. Dr. Axel Pestke teil. Begleitet wurden sie von Dr. Jan Trommer, Europareferent des DStV, und Felix Martens, Assistent der Europa-Abteilung des Verbandes.

Stand: 27.6.2018