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Ethische Fragen bei der Vertragsbeziehung zwischen Steuerberater und Mandanten – EFAA diskutiert in Berlin mit internationalen Experten

Ethische Fragen bei der Vertragsbeziehung zwischen Steuerberater und Mandanten – EFAA diskutiert in Berlin mit internationalen ExpertenIn seiner täglichen Arbeit sieht sich der Steuerberater einer Vielzahl ethischer Fragen gegenüber. Doch nicht nur die Einhaltung der Berufsgrundsätze, sondern auch die besondere, langfristige Vertragsbeziehung von Beratern und ihren mittelständischen Mandanten können zu moralischen Herausforderungen bei den Beteiligten führen. Diese wurden in der Veranstaltung „Ethics in a Post Crisis Economy: Accountants and their SME clients” am 3.12.2014 in Berlin erörtert und mit internationalen Experten diskutiert.
Dr. Clara Mavellia vom Institut für Cultural Entrepreneurship, Berlin, erklärte, warum sich ethisches Verhalten finanziell rechnet. Denn nicht nur die Produktidee, die Marktpositionierung und das Design sind für den Erfolg eines Unternehmens entscheidend. Der Umgang mit Mitarbeitern und Kunden, die Berücksichtigung von sozialen und Umweltbelangen sowie die Wahrnehmung des Unternehmens in der Öffentlichkeit werden immer stärkere Erfolgsfaktoren.
Federico Diomeda, italienischer Steuerberater und langjähriges Mitglied des Ethik-Beratungsgremiums der International Federation of Accountants (IFAC), beschrieb, dass die Wahrnehmung des eigenen Handels entscheidend für die Einschätzung sei, ob Handlungen als ethisch und moralisch akzeptabel angesehen werden. Einheitliche, kodifizierte Anforderungen seien jedoch schwierig zu beschreiben, weil diese immer vom kulturellen Hintergrund abhingen. Die Verbesserung des ethischen Verhaltens sei jedoch für Steuerberater ein Investment in die Zukunft und daher sehr zu begrüßen. 

Über Ethik im Umfeld der Bilanzierung sprach Prof. Dr. Joachim Gassen von der Humboldt Universität Berlin. Insbesondere die Frage, inwiefern der kulturelle Hintergrund des Bilanzierenden und dessen Ausbildung einen Einfluss auf die moralische Einstellung nehmen. Nach Einschätzung Gassens führe eine bessere Ausbildung zu einer größeren Unabhängigkeit von Abschlusserstellern und –prüfern und damit zu einer gesteigerten Dienstleistungsqualität. Er warf ebenfalls die Frage auf, ob Shared-Service-Center die eigentliche Rolle von Buchhaltern als Kontrolleur und Fragensteller im Unternehmen zerstört werde.

Dr. Rafael Gomes, Gewinner des „Robin Cosgrove-Preises für Ethik“ 2013 gab einen Ausblick auf die zukünftigen Herausforderungen für ethisches Verhalten im Anblick der zunehmenden Digitalisierung. Steuerberater und Wirtschaftsprüfer bräuchten vor allem die technischen Fähigkeiten, um mit der Digitalisierung umzugehen. Das schnellere Wachstum von Unternehmen der New Economy sei ebenfalls eine große Herausforderung: Während KMUs durch ihre flachen Strukturen per se für ihre Handlungen haftbar seien, nehme die Verantwortlichkeit mit Komplexität und Mitarbeiterzahl ab. Darunter leide auch das ethische Verständnis jedes Einzelnen.
In der anschließenden Diskussion mit dem internationalen Publikum wurden weitere Aspekte des Themas beleuchtet. Dabei wurde besonders herausgestellt, dass die Diskussion über ethische Fragestellungen vielerorts noch in den Kinderschuhen stecke. In Deutschland sei die Debatte jedoch nicht so drängend, da viele Fragen, wie beispielsweise über die Unabhängigkeit, Qualität der Dienstleistung oder berufstypische Werbung bereits in der Berufsordnung verankert seien und durch die Berufsangehörigen verpflichtend umzusetzen sind.

Für den DStV nahmen dessen Vizepräsident Prof. Dr. Hans-Michael Korth, zugleich Vizepräsident der EFAA, DStV-Hauptgeschäftsführer Prof. Dr. Axel Pestke und der Europarechtsreferent des DStV, StB René Bittner, der die Veranstaltung vorbereitet hatte, teil.

Stand: 5.12.2014