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Erfolgreiches Symposium der EFAA in Brüssel: Umsetzung der neuen europäischen Rechnungslegungsrichtlinie - Die richtige Wahl treffen

Erfolgreiches Symposium der EFAA in Brüssel: Umsetzung der neuen europäischen Rechnungslegungsrichtlinie - Die richtige Wahl treffen„Bei der Umsetzung der neuen europäischen Bilanzrichtlinie haben die Mitgliedstaaten Wahlrechte, die ihnen die Möglichkeit der Verbesserung der Bilanzierungsregeln in ihrem Land geben. Die Entscheidungen hierzu sollten faktenbasiert getroffen werden.“ Dies war das Fazit einer Diskussionsrunde der EFAA (European Federation of Accountants and Auditors for SMEs) mit der Unterstützung von ACCA (Association of Chartered Certified Accountants) und NBA (Nederlandse Beroepsorganisatie van Accountants).

Die Richtlinie 2013/34/EU über den Jahresabschluss, den Konzernabschluss und damit verbundene Berichte von Unternehmen bestimmter Rechtsformen - die so genannte Rechnungslegungsrichtlinie - wurde am 26. Juni 2013 veröffentlicht und ist am 20. Juli 2013 in Kraft getreten. Sie ersetzt die bestehende Vierte und Siebte Richtlinie, die die Berichterstattung von Unternehmen und Konzernen regelt. Sie ist das Ergebnis einer langen Diskussion über die Bilanzierungsstandards in Europa und enthält rund 100 Mitgliedsstaatenwahlrechte. Die Mitgliedsstaaten sind verpflichtet, die Richtlinie spätestens bis zum 20. Juli 2015 in nationales Recht umzusetzen.

Die Implementierungsphase kann als Herausforderung, aber auch als Chance für die Mitgliedsstaaten verstanden werden, wenn die Möglichkeit der nochmaligen Bewertung der aktuellen Rechnungslegungsvorschriften zur Verbesserung genutzt wird. Die Einschätzung, welche Wahlrechte wie zu nutzen sind, wirft jedoch einige interessante und manchmal komplizierte Fragen auf. Um sie zu lösen, hat EFAA mit der Unterstützung von ACCA und NBA in Brüssel einen Runden Tisch organisiert, um mit Experten aus den

Mitgliedstaaten, Regulierungsbehörden, der Europäischen Kommission und KMU-Organisationen sowie dem Banken-, Buchhaltungs- und Wirtschaftsprüfungssektor zu diskutieren, welche Wahlrechte von den Mitgliedsstaaten umgesetzt werden sollten und welche Kriterien bei der Einschätzung verwendet werden sollten.

Richard Martin, Leiter der Unternehmensberichterstattung bei ACCA, der die Diskussion moderierte, sagte: "Die Mitgliedsstaatenwahlrechte haben großen Einfluss auf kleine Unternehmen. Dies ist ein entscheidender Moment für die Rechnungslegung in Europa, jeder Mitgliedsstaat hat zu beurteilen, welcher Weg eingeschlagen wird. Einige der Wahlrechte waren bereits in der Vierten und Siebten Richtlinie enthalten, während andere erst mit dem neuen Text eingeführt wurden. Doch auch wenn die Option bereits bestand, hat die neue Gesetzgebung eine Debatte darüber entfacht, ob die bestehende nationale Umsetzung richtig getroffen wurde, oder ob die Regelung verbessert werden muss. Es gibt zumindest einige Veränderungen, die zwingend durch die Mitgliedsstaaten aufgrund der Neuregelung vorgenommen werden müssen“.

Die Diskussion ergab, dass einige Akteure nicht davon überzeugt sind, dass die Mitgliedstaatenwahlrechte innerhalb der Rechnungslegungsrichtlinie die einheitliche Bilanzierung und die Vergleichbarkeit in Europa verbessern. Ganz im Gegenteil stellen sie für die Mitgliedstaaten neue Herausforderungen bei der Umsetzung der Richtlinie dar. Die Diskussionen drehten sich auch um die notwendigen Überlegungen der Ziele der Mitgliedsstaaten: Soll die Umsetzung im Sinne einer besseren Bilanzierung geschehen oder sollen Aspekte wie Kostensenkung und Verringerung der bürokratischen Belastung im Vordergrund stehen? Dabei war es insbesondere von Bedeutung festzustellen, welche Rolle Transparenz und Markteffizienz, Vergleichbarkeit, Relevanz, Kosten-Nutzen-Relationen und internationale Harmonisierung in diesem Prozess haben und wie diese gegeneinander gewichtet werden sollen.

Henk Verhoek, Koordinator Finanzberichterstattung der NBA, fügte hinzu: "Wegen der Mitgliedsstaatenwahlrechte ist das Maß an übereinstimmender Bilanzierung in Europa reduziert worden. Eines der Ziele hätte sein können, die Buchhaltung in der EU zu harmonisieren, so dass wir eine Sprache in Bilanzierungsfragen sprechen. Dies ist leider nicht das Ergebnis des politischen Prozesses bei der Richtlinienentwicklung gewesen. Auch sind nicht alle wichtigen Regelungen in der neuen Richtlinie enthalten: Pensions- und Leasing-Bilanzierung fehlen beispielsweise im Gesetzestext und sind bedeutende Aufgaben für die nationalen Standardsetzer. Das Kriterium einer besseren Bilanzierung erfordert, dass die gegebenen Informationen wertvoll für die Nutzer von Jahresabschlüssen sein müssen. Anleger- und Gläubigerschutz sind weitere bedeutende Aspekte. Die Qualität der Rechnungslegung stimuliert das Wirtschaftswachstum in der EU und erleichtert den Zugang zu Finanzierungen."

Claus C. Securs, Präsident der deutschen Wirtschaftsprüferkammer, veranschaulichte die verschiedenen Folgen der Mitgliedsstaatenwahlrechte der Micro-Bilanz-Richtlinie, indem er Belege aus Deutschland dafür anführte, dass "die Verwendung der Micro-Bilanz-Richtlinie 70 € pro Unternehmen spart.“

Bodo Richardt, Präsident der EFAA, resümierte: "Um eine bessere Bilanzierung in der EU zu erleichtern, müssen weitere intelligente Diskussionen geführt werden, die weitere Blickpunkte einbeziehen und faktenbasierte Ergebnisse berücksichtigen und nicht nur auf politischem Bauchgefühl beruhen. Die Diskussion hat ein starkes Bedürfnis nach belastbaren Informationen zu den vielfältigen Herausforderungen gezeigt, bevor endgültige Entscheidungen getroffen werden. Plattformen, um diese komplexen Fragen der Rechnungslegung zu diskutieren und Empfehlungen zu liefern, sind enorm wichtig, da die politischen Entscheidungsprozesse selbst schon komplex sind. Rationalität und Funktionalität sind sehr wichtige Komponenten, insbesondere für KMU."

Die EFAA-Bericht “Implementing the New European Accounting Directive - Making the right choices” bildete die Grundlage dieser Diskussion und kann auf der Website der EFAA heruntergeladen werden- http://www.efaa.com/Reports,Studies,36.html

Stand: 18.07.2014