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Treffen der Arbeitsgruppe der Europäischen Kommission zur Stärkung der Wirtschaft der freien Berufe

Treffen der Arbeitsgruppe der Europäischen Kommission zur Stärkung der Wirtschaft der freien BerufeDie Generaldirektion „Unternehmen und Industrie“ der Europäischen Kommission führte am 23.09.2013 das zweite Treffen der Arbeitsgruppe zur Stärkung der Wirtschaft der freien Berufe in Europa durch. Thema der Sitzung war die Verbesserung der Rahmenbedingungen für die Aus- und Weiterbildung bei Angehörigen der freien Berufe. Wie bereits in der Steuerberatung 06/2013 berichtet soll die Arbeitsgruppe im wesentlichen best practice- Beispiele aus den Mitgliedsstaaten und Berufsgruppen zusammentragen und diese sollen anschließend durch die Kommission zur Verbesserung der wirtschaftlichen und regulatorischen Rahmenbedingungen verwendet werden. Die Sitzung, an der der Deutsche Steuerberaterverband e.V. und der Europäische Dachverband EFAA durch Europareferent René Bittner vertreten war, behandelte im Wesentlichen die folgenden zwei Fragestellungen:

  • Wie können junge Menschen für die freien Berufe begeistert werden?
  • Wie kann eine Benachteiligung kleiner und mittlerer Freiberufler-Praxen verhindert werden?


Einigkeit herrschte unter den Teilnehmern, dass Jugendliche und junge Erwachsene für wirtschaftliche Prozesse und Zusammenhänge begeistert werden müssten, wenn sie später den Weg in die Selbstständigkeit antreten sollen. Neben Praktika als ein Mittel der Orientierung wurden hier Planspiele und Wettbewerbe an Schulen angeführt. Die Jugendlichen könnten so spielerisch lernen, wirtschaftlich zu handeln und Verantwortung zu übernehmen. Gute Erfahrungen sammeln die britischen Freiberufler mit der Institution der „Schulbotschafter“, lokalen Freiberuflern, die über die Berufsverbände in die Schulen vermittelt werden, um dort über ihren Werdegang, ihren Arbeitsalltag und ihre Motivation zu berichten und damit die Neugier der Jugendlichen zu wecken.

Bei der Frage, wie man Nachwuchs für bestimmte freie Berufe werben könne, waren deutsche Beispiele angebracht: Einerseits ist die Möglichkeit, nach dem Ausbildungsberuf Steuerberater und damit Angehöriger eines freien Berufs zu werden, nahezu einzigartig in Europa. Unterstützt wird dieses noch durch sogenannte „Triale Modelle“, bei denen Ausbildung, Praxis und Studium vereint werden. Dem Wirtschaftsprüfungsnachwuchs wird die Möglichkeit gegeben, sich bestimmte Kurse ihres Hochschulstudiums auf das Wirtschaftsprüferexamen anrechnen zu lassen. Dies ist an immer mehr Hochschulen möglich.


Kritik der anwesenden Verbandsverteter gab es an den Maßnahmen der Generaldirektion Bildung und Kultur, die nicht vorrangig die Freiberuflichkeit fördern. Nach einem Bericht des Vertreters dieser Generaldirektion über Maßnahmen zur Förderung von Universitätsstudenten wurde von den Freiberuflerorganisationen darauf verwiesen, dass die Maßnahmen zu internationalen Studienaufenthalten im Rahmen des Erasmusprogramms noch durchgehend auf Zustimmung stoßen. Bei den Schritten zur Verknüpfung von Universität und Wirtschaft ergeben sich aber Reibungspunkte: Bei dieser Verknüpfung soll eine enge Partnerschaft von Lehre und Wirtschaft aufgebaut werden. Die Vertreter der Verbände gaben zu bedenken, dass unabhängig vom Studium lediglich Großunternehmen diese Kontakte leisten könnten. Dadurch würde aber bei den Studenten ein starker Wunsch nach einer Anstellung in diesen Unternehmen entstehen. Diese Anstellung führe aber nicht in die Freiberuflichkeit, sondern in eine abhängige Beschäftigung auf Lebenszeit.

Weitere Kritik wurde beim Thema der internationalen Mobilität der Freiberufler laut. Neben der noch relativ einfach zu beseitigenden Sprachbarriere bestehe insbesondere in technischen Berufen ein Bedarf zur Harmonisierung der Ausbildungsinhalte während des Studiums, da der Wissensstand der Universitätsabsolventen sich stark unterscheide. Ebenso ziele die Politik der Europäischen Kommission auch hier auf die Befriedigung der Personalbedürfnisse großer Unternehmen ab, so dass für die Freiberufler mit den Maßnahmen nichts geholfen sei.


Stand: 27.09.2013


Lesen Sie hierzu auch: EFAA Mitglied der EU-Arbeitsgruppe „Stärkung der Wirtschaft der freien Berufe“